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"Ist das eine Seeigel-Frau oder ein Seeigel-Mann?" fragt uns der Bub im weißen Mirno-More-T-Shirt. "Ist doch klar: das ist eine Frau - die hat sich so schön geschmückt!" sagt sein Freund ganz überzeugt. Eine schöne Erklärung dafür, dass sich die schwarzen Seeigel, die vor der Küste Kroatiens im Meer leben, gerne Algenstücke und Skelettreste ihrer Artgenossen auf den Rücken setzen - zur besseren Tarnung.

Auf der Hafenmole der kleinen, sehr symphatischen Insel Zlarin haben wir unsere kleine "Meeresbiologische Forschungsstation" aufgebaut. In kleinen Gruppen strömen nun Kinder und Jugendliche mit ihren Betreuern zu uns. Sie machen bei einer Ralley mit, die sich das Activity-Team der "Mirno More Friedensflotte 2009" ausgedacht hat. "Mirno More" bedeutet auf Kroatisch "friedliches Meer". Es ist Europas größtes sozialpädagogisches Segelprojekt, das heuer zum 15. Mal vor Kroatien für eine Woche in See sticht. Mit 900 Teilnehmern und 105 Schiffen hat die Flotte in diesem Jahr einen Rekord erreicht. Das Projekt wurde 1994 ins Leben gerufen, um Kindern aus den damals vom Krieg erschütterten Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens die Möglichkeit zu geben, ihren oft tristen Alltag zu vergessen. Inzwischen nehmen zahlreiche österreichische und internationale Institutionen wie die Caritas, SOS Kinderdörfer, heilpädagogische Einrichtungen und Behindertenorganisationen am gemeinschaftlichen Segelerlebnis teil. Freundschaften über ethnische und soziale Grenzen hinweg schließen, Toleranz üben, friedliche Konfliktlösungen und Vorurteile über Bord werfen - das sind die Ziele dieses Projektes.

Ziele, für die sich auch Greenpeace stark macht - und deswegen sind auch wir wieder mit dabei. Bereits zum zweiten Mal bieten wir diese Woche den Teilnehmern der Mirno More Friedensflotte die Möglichkeit an, das Meer auch unter der Wasseroberfläche zu entdecken. Aus dem Segelschiff "Panta Rhei", das unserem Skipper Michael gehört, wird für unsere Crew aus 5 Erwachsenen und 2 Kindern für eine Woche ein "Greenpeace"-Schiff. Nach Biograd und Vodice haben wir heute also auf Zlarin festgemacht und direkt vor unserem Schiff unsere "Meeresschätze" ausgepackt. Bei uns müssen die "Piraten der Kornaten" für die Ralley die Namen der Tiere herausfinden, die in kleinen Aquarien und Becherlupen vor ihnen stehen. Neugierig werden nicht nur der Seeigel, sondern auch der knallrote Seestern, die braune Seegurke, Einsiedlerkrebse, Miesmuscheln und Schnecken ganz genau aus der Nähe betrachtet. So entdecken die Kinder, daß der Seeigel nicht nur viele Stacheln zur Verteidung, sondern auch unzählige kleine Arme mit Saugnäpfen besitzt, mit denen er sich am Untergrund festhalten kann. Und die Seegurke nicht nur weich und unansehnlich ist, sondern tatsächlich einen Mund hat, mit dem sie am Meersboden "staubsaugen" kann.

Morgen sind wir wieder in Biograd. Dort werden wir wieder für die neugierigen "Meeresforscher" unsere Meeresschatzkiste und unsere Aquarien aufbauen. Und 800 Kinder können dann erforschen, warum es wichtig ist, die Meere besser zu schützen.

Antje Helms, Greenpeace-Meeresbiologin