Die indischen Medien sind gerade voll mit einer regionalen Geschichte aus Mangalore (Mangalore ist die zweitgrößte Stadt nach Bangalore - wo ich mich aufhalte - im Bundesstaat Karnataka). Letzten Samstag hat ein Mob von Hindufaschisten, die sich selbst als Moralpolizei bezeichnen, ein Pub überfallen und die dort anwesenden Frauen verprügelt, ausgezogen, beschimpft… die paar wenigen Männer, die dazwischen gegangen sind wurden dann ebenfalls verprügelt. Einer wird grad als Held gefeiert, weil er mit seinem Eingreifen einigen Frauen die Möglichkeit zur Flucht gegeben hat. Pikanterweise war er bis vor kurzem selbst Mitglied in einer dieser fundamentalistischen Organisationen hat sich aber wegen deren Gewalttätigkeit abgewandt. Bilder von diesem Angriff wurden landesweit ausgestrahlt und haben zu einem riesigen Aufschrei geführt und die örtlichen Behörden ordentlich unter Druck gebracht. Am Montag kam es dann zur Verhaftung einer Reihe von Aktivisten dieser Gruppe u.a. auch ihres Anführers, der am Wochenende noch mit der Aktion öffentlich geprahlt hat.

Dieser Vorfall hat die Debatte um den hiesigen Hindufundamentalismus wieder hochgefahren. Es kommt immer wieder zu Übergriffen gegen die üblichen Verdächtigen in einem fundamentalistisch-faschistischen Weltbild: Angehörige anderer Religionen, Frauen im öffentlichen Raum (Pub!), Homosexuelle… Es gibt bei diesen Überfällen auch Tote bzw. kommt es auch zu systematischen Ermordungen, v.a. im ländlichen Raum. Jedenfalls hat dieser Angriff massiv Wellen geschlagen. Dies dürfte zum einen am urbaneren Charakter der Sache liegen. Auch wurden hier Frauen unabhängig von ihren sonstigen Merkmalen (Religion, Kaste, soziale Schicht) attackiert und die Ähnlichkeiten zu den muslimischen fundamentalistischen Verbrechen etwa in Pakistan oder Afghanistan (Mädchen die in die Schule gehen wollen Säure ins Gesicht gießen) sind zu stark. Die Warnung vor einer Talibanisierung Indiens war auch sofort zu hören.

Zum anderen befinden wir uns gerade in einer intensiven Vorwahlzeit. Vom 8. April bis 15. Mai finden in Indien Parlamentswahlen statt (dazu später mal ausführlicher). Eine der beiden landesweit großen Parteien ist die Hindunationalistische BJP, die bemüht ist, öffentlich nicht zu sehr mit diesen Gruppen in Verbindung gebracht zu werden, obwohl es immer wieder auffällige Überschneidungen gibt. Die BJP stellt die Regierung in Karnataka, also dem Bundesstaat, wo die Tat passiert ist und wo solche Vorfälle lange geduldet wurden. Kurz vor den Wahlen stürzen sich die anderen Parteien natürlich gern auf dieses Thema und bringen die BJP damit gehörig unter Druck.