Ein fixer Bestandteil der Greenpeace internen Organisation während einer solchen Konferenz sind die Morgen- und Abendkoordinationen. Dabei tauschen wir uns über den Verhandlungsverlauf aus, diskutieren Strategien, entscheiden über die Aufgaben für den Tag usw. Eine absolut notwendige Übung jeden Tag und normalerweise entwickelt sich daraus eine interessante, oft auch heftige Diskussion, und wir überziehen die geplante Stunde fast immer. Ganz anders gestern Abend. Praktisch niemand hatte etwas Nennenswertes zu berichten. „Bei Finanzierung hat sich nichts getan.“ „Wald ist unverändert.“ „Bei Anpassung konnte man sich auf nichts Neues einigen“ usw. Lag natürlich nicht daran, dass die Greenpeacer hier den Tag verschlafen oder sich nur mehr geistig auf die Fußball-WM vorbereitet haben. Nein, es passiert in den Verhandlungen kaum mehr etwas.

Alle Delegierten, mit denen wir sprechen, loben das konstruktive Klima und, dass man viel mehr aufeinander zugeht und zuhört als in Kopenhagen. Doch – und diese Kleinigkeit ist schon entscheidend – in der Sache: Wie können wir den verdammten Klimawandel in den Griff bekommen???, tut sich nichts. Keine der relevanten Delegationen hat ein politisches Mandat um irgendeinen Schritt zu unternehmen den Stillstand zu durchbrechen. Der Stillstand ist höflicher und konstruktiver geworden, aber es bleibt ein Stillstand. Es herrscht scheinbar ein Gentlemen Agreement nichts weiter zu bringen und das nicht-Ergebnis über die Zeit zu retten. Erinnert mich – und am Tag des Anpfiffs der WM darf man sich ein bischen in Fußball Analogien üben an die „Schande von Gijon“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Schande_von_Gij%C3%B3n). In jenem denkwürdigen Spiel 1982 haben Deutschland und Österreich nach 10 Minuten und einem Ergebnis, das beiden zum Aufstieg verholfen hat aufgehört Fußball zu spielen und den Ball 80 Minuten lang nur hin und her geschoben. Ungefähr so gings die letzten Tage hier zu. Einziger Unterschied: wirklich gewinnen tut hier niemand. Der Verlierer ist aber gleich: damals mit Algerien die stärkste afrikanische Mannschaft; heute alle besonders betroffenen Länder und die sind auch überwiegend im Süden zu finden.

Bernhard Obermayr