Seit 2 Tagen regnet es, Poznan zeigt sich von seiner wettermäßig grauslichen Seite. Die überall herumhängenden Plakate - "Poznan: Good Climate for Talks" - sind völlig durchweicht. Wenn so ein Bild auch abgedroschen wirkt, es passt. Die letzten beiden Tage waren ziemlich frustrierend. Das liegt hauptsächlich an der EU, die mit einem völlig unzureichenden Mandat angereist ist und sowieso nur nach Brüssel kommt, um zu sehen, wie es mit dem Energie- und Klimapaket aussieht. Der Rest der Welt vertreibt sich inzwischen damit die Zeit auf Obama zu warten und angefressen zu sein.

Im Detail schaut das z.B. so aus: Da gibt es einen Tagesordnungspunkt "Shares of Proceeds". Es geht um die Finanzierung des Anpassungsfonds. Dieser wird durch einen 2% Aufschlag auf jedes "Clean Development Project" (CDM) gespeist. CDM Projekte sind solche, die in Entwicklungsländern finanziert, dort zu CO2 Einsparungen führen sollen (höchstens die Hälfte tut das angeblich auch!) und die sich in Industrieländern anrechnen lassen können um selber nichts tun zu müssen. Also eine Form von Klimaablasshandel und leider kein sehr brauchbarer. Das "Joint Implementation" ist genau das gleiche, nur für die so genannten "Economies in Transition", also die ehemaligen Ostblockländer. Hier müssen die 2% nicht bezahlt werden. Das war vor vielen Jahren ein Zugeständnis an Russland. Da die Schäden durch den Klimawandel aber immer größer werden braucht auch der Anpassungsfond mehr Mittel. Eine sehr logische Form der Aufstockung wäre diese 2% auch auf "Joint Implementation"(JI) anzuwenden. Andere Formen der langfristigen Finanzierung werden auch diskutiert, kurzfristig wäre aber die JI-Geschichte machbar. Die EU ist auch nicht grundsätzlich dagegen. Sie hat dazu nur kein Mandat und weigert sich daher diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Die Entwicklungsländer interessiert aber nicht, ob die EU interne Probleme und eigene Timelines hat. Sie sind jetzt verstimmt und blockieren den Abschluss des ganzen Bereiches, von dem die "Shares of Proceeds" ein kleiner Teil sind.

Das Gesprächsklima ist längst nicht mehr gut und die Laune, wenn man mit nassen Schuhen ins Konferenzzentrum kommt, passt dazu. Mit den zusätzlichen Infos aus Brüssel wird es nicht besser. Das wirklich spannende ist aber, dass diesmal nicht die USA den "schwarzen Peter" haben, sondern wir. Das haben wir uns redlich verdient.