Vieles ist anders in Indien. So schütteln Inder den Kopf, wenn sie Zustimmung signalisieren. Das führt dann zu seltsamen Situationen. Ich bestell in einem Lokal eine Mahlzeit und der Kellner schüttelt den Kopf = für mich, das gewünschte Gericht gibt es nicht und ich bestell ein anderes. Im Ergebnis hatte ich zwei volle Mahlzeiten vor mir stehen. Tja und da ist noch die Sache mit der Pünktlichkeit. 3h Nachmittag: Anruf vom Elektrohändler, dass der Kühlschrank für die neue Wohnung in 20 Minuten geliefert wird. Angekommen ist er um 7h Abends. 20 Minuten heißt hier in aller Regel - keine Angst es wird schon irgendwann passieren. Alles keine Tragödie, nur gewöhnungsbedürftig halt.

Vieles ist aber auch ähnlich. Am Freitag hatten wir ein Meeting zu allen indischen Greenpeace Kampagnen, um den Plan für nächstes Jahr abzuklopfen und über die Ressourcen zu diskutieren. Da ist dann alles recht vertraut und erinnert an unsere vergleichbaren Diskussionen in Wien. Wir stehen als Greenpeace weltweit vor mehr oder weniger denselben Herausforderungen, egal ob in einem kleinen, reichen Land in der EU oder in einem Riesenschwellenland. Wir müssen dem Kampf gegen den Klimawandel die höchste Priorität einräumen und gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass es auch noch andere entscheidende Umweltprobleme gibt.

In Indien kämpfen etwa die KollegInnen massiv gegen die Angriffe der Gentechnikindustrie auf die Nahrungsgrundlagen des Landes. Die jüngste Kampagne - "I´m no Labrat" - mobilisiert Hunderttausende. Die Elektronikindustrie benützt Länder wie Indien als billige Produzenten und wichtige Absatzmärkte und kümmert sich in keinster Weise um die teilweise hochgiftigen Substanzen, die sie verwendet. Die kaputten Geräte werden dann auch wieder hier (oder in anderen Asiatischen Ländern) entsorgt. In der Kampagne gegen "ToxTech" stehen die KollegInnen hier vor einem Durchbruch. Und schließlich ist Indien mit seiner unendlich langen Küste ein ganz wichtiges Land für die Zukunft der Weltmeere und deren Biodiversität. Gegenwärtig fokussieren die KollegInnen noch auf den Schutz der "Olive Ridley Turtle" im Osten des Landes. Diese einmaligen Schildkröten sind durch ein Industriehafenprojekt massiv bedroht. Darüber hinaus bereitet sich Greenpeace hier auf die große Auseinandersetzung mit der Fischereiwirtschaft vor. Die Industrielle Fischerei führt auch in Indien zur Zerstörung der Artenvielfalt und der Nahrungsgrundlage für Millionen von Menschen.

Tja, und obwohl all diese Themen von allergrößter Wichtigkeit sind müssen wir uns auch in Indien noch stärker als bisher auf Energie und Klimafragen konzentrieren. Denn die Uhr tickt. Wenn wir nicht sofort alle miteinander handeln werden die Folgen des Klimawandels nicht mehr kontrollierbar sein. Nur bei diesen notwendigen Handlungen funktioniert die ganze Welt nach indischen Pünktlichkeitssystemen und verspricht eh in 20 Minuten was zu tun. Nur das ist dann ein Tragödie und gar nicht mehr gewöhnungsfähig.