Reaktion auf den Artikel in der Wiener Zeitung von Frau Christa Karas, „Stanniol wird die armen Negerkinder nicht retten“

Alle fünf Sekunden stirbt auf dieser Welt ein Kind an Unterernährung. Als ob diese Tatsache nicht schon schlimm genug wäre, gibt es doch tatsächlich Menschen, die daraus auch noch Kapital schlagen wollen. Sie versprechen eine einfache Lösung: die Gentechnik. Die bringt mehr Ertrag und jetzt auch noch bessere Inhaltsstoffe. Frau Karas ist Journalistin und mag einfache, knackige Geschichten. Die lassen sich so schön erzählen. So wie die vom „Golden Rice“ und den „armen Negerkindern“.

Sehr geehrte Frau Karas,

der Reis ist nicht gold sondern gelb! Er wurde gentechnisch manipuliert, damit er Vitamin A enthält, um so den an Unterernährung Leidenden dieser Erde eine bessere Nahrung zu sichern. Schöner Gedanke - leider falsch! Denn man müsste zirca ein Kilogramm gelben Reis (Trockengewicht) täglich essen, um seinen Vitamin A Haushalt zu decken. Das gleiche Ergebnis würde man mit einem Löffel Palmöl erreichen oder mit zahlreichen anderen Pflanzen, die in armen Ländern heimisch sind und kultiviert werden könnten. Doch Geschichten über umfangreiche Bildungs- und Agrarprogramme in Entwicklungsländern lassen sich halt nicht so knackig erzählen wie die vermeintlich schnelle Lösung „Golden Rice“. Und die Recherche würde auch wirklich fürchterlich lange dauern. Und außerdem hätte die Gentechnik-Lobby doch so gerne zumindest ein einziges Beispiel, bei dem ihre Produkte mal jemand anderem helfen könnten, als immer nur den eigenen finanziellen Interessen und als gewissenhafte Journalistin helfen Sie da offenbar gerne mal aus. Denn PR oder Journalismus, wo ist da heute schon noch der Unterschied? Und überhaupt, wer merkt das schon? Die Öffentlichkeit lässt sich doch genauso wie Pflanzen manipulieren. Also verkaufen wir doch einfach einen gelben Reis als „Golden Rice“. Die komplexen Details darüber, wie die Gentechnik-Industrie die kleinen Bauern der dritten Welt in die Abhängigkeit treibt, interessieren doch wirklich niemanden. Nicht wahr, Frau Karas? Schöne Grüße Philipp Strohm, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace, Österreich