© Paul Hilton / Greenpeace

Seit guten zwei Monaten ist der Großteil der Besatzung nun schon wieder auf der Esperanza unterwegs, um den größten unserer Ozeane, den Pazifik, ein wenig sicherer zu machen - für Fische im Allgemeinen, aber dieses Jahr ganz besonders für den Tunfisch.

Anfang August traf der Großteil der Mannschaft so wie ich in Panama ein. Erste Etappe: Die Überfahrt nach Tahiti. Als Transitfahrt war sie noch nicht wirklich Teil der Kampagne. Aber doch ein wichtiger Abschnitt für die Stammcrew an Bord: Das Schiff wird für die nächste Kampagne vorbereitet, diverse Sicherheits-Trainings werden absolviert und die Fahrer der Schlauchboote haben die Möglichkeit noch ein paar Trainingseinheiten zu machen. In Tahiti kam dann das Kampagnenteam an Bord, aber auch der Proviant für die nächsten, etlichen Wochen wurde gebunkert. Wenig später ging es auch schon wieder auf See: Die zweite Etappe der Reise sollte uns nach Samoa führen.

In unserer „Defending our Pacific“-Tour geht es vor allem um vier sogenannte "Hochsee-Taschen“, auch bekannt als "Pazifische Allmende". Diese vier Gebiete mit internationalen Gewässern liegen eingeklemmt inmitten der Hoheitsgewässer etlicher kleiner Südsee-Inselstaaten. Für illegal fischende Piratenfischer sind sie eine willkommene Zuflucht vor Fischerei-Kontrollen! Den Pazifikstaaten, deren Gewässer von den Piratenflotten schamlos geplündert werden, sind sie daher ein Dorn im Auge. Deswegen haben sie sich zusammengetan und die Tunfisch-Fischerei in diesen "Hochseetaschen" eingeschränkt.  So ist beispielsweise in zwei der Gebiete der Tunfischfang mit "Fischsammlern" illegal. Da diese Fisch-Magneten dazu führen, dass große Mengen Beifang getötet werden, ist es eines der wichtigsten Ziele unserer Meeres-Kampagne, Fischsammler aus allen Meeren zu verbannen.

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Auch in der Langleinenfischerei, einer weiteren Methode für den Tunfischfang, fällt viel Beifang an: Schildkröten, Seevögel und Haie sind oft darunter! Bei unserer Überfahrt nach Samoa sind wir sehr bald den ersten Tunfischfängern mit Langleinen begegnet und durften sie sogar an Bord besuchen. Das Erschreckende dabei: Das erste Boot hatte nach fast 2 Monaten auf See nur eine Handvoll Fische an Bord – Gut für den Tunfisch, der nicht gefangen wurde; andererseits bedeutet das aber auch, dass das Meer beinahe leer gefischt ist!

© Paul Hilton / Greenpeace

Der zweite Langleinen-Fänger tauchte spät abends auf unserem Radar auf - zu spät, um die Schlauchboote ins Wasser zu lassen und rüberzufahren. Die ganze Nacht verfolgten wir das Schiff in entsprechendem Abstand. Wegen diverser Kursänderungen war uns schnell klar, dass es seine Langleinen auslegt... Am nächsten Morgen wurden dann endlich die Schlauchboote ins Wasser gelassen und wir gingen längsseits mit den Fischern, als sie ihre Leinen einholten. Auch dort das Gleiche: Auf den ersten 25 Kilometern der immerhin 170 km langen Fangleine hatte nur ein einziger Fisch angebissen – ein Hai, der tot wieder ins Wasser zurück geworfen wurde.

Der letzte Langleinen-Fänger den wir besuchten, hatte schon etwas mehr zu bieten. Zwar war es wegen sehr hohem Wellengang absolut unmöglich dort an Bord zu gehen, aber auch der Anblick vom Wasser aus sprach Bände: An Bord waren etliche Haifischflossen zum Trocknen ausgelegt und aufgehängt. Ein erschreckender Anblick, den die meisten Hai-Arten sind extrem gefährdet und vom Aussterben bedroht! Die Tunfischfänger haben weder für den Fang von Haien eine Fanglizenz. Auch das Hai-Finning – das Abschneiden der Rückenflossen beim lebenden Hai – ist in diesen Gewässern streng verboten! Ein Wahnsinn…

Wenn auch im Moment nur wenige Fischer in diesen Gewässern anzutreffen sind (wahrscheinlich auch wegen des Seeganges, der unsere Mannschaft des Nächtens wach hält) gibt es auf jeden Fall noch eine Menge zu tun. In den nächsten Wochen unserer  Patrouillenfahrt werden uns sicherlich noch etliche solche Piratenfischer begegnen. Oder auch Langleinen- und Ringwadenfänger, die mit  dem Einsatz von Fischsammlern so viel Beifang töten, bis zu 1 Kilo anderer Meerestiere sterben für ein Kilo Tunfisch – Haie, Schildkröten, junge, viel zu kleine Tunfische, und viele andere bunte Fischarten...

Damit es nicht bald zu spät ist und wird diese wunderschönen Meereslebewesen so lange wie möglich auf unserem Planeten weiter bestaunen können, sind wir hier auf jeden Fall weiter im Einsatz gegen Überfischung und Plünderung der Meere. Dank Donald, unserem Helikopter-Piloten, können wir das Meer in einem größeren Umkreis um unser Schiff absuchen, als es mit dem Radar möglich ist. Und auch ich werde weiterhin die Augen offen halten.