Erfolgreiche Kampagne gegen die Überfischung in senegalesischen Gewässern.

Und es gibt sie doch, die großartigen Greenpeace-Erfolge im Kampf gegen die Plünderung der Meere und die ungerechte Verteilung von Fisch! Einsichtige und mutige Fischerei-Politiker gibt es allerorts zu selten - zu mächtig ist der Einfluss der millionenschweren Fischerei-Industrie.

Doch gute Nachrichten kommen derzeit reihenweise aus dem Senegal, jenem Land am westlichsten Zipfel Afrikas, in dem in den letzten Jahren die kleinen Fischer immer öfter mit leeren Netzen vom Fang zurückkehrten. Seit eineinhalb Jahren kämpft dort ein kleines Greenpeace-Büro unermüdlich für eine nachhaltige Fischerei, die vor allem die Interessen der kleinen Küstenfischer und der Fischereigemeinden befriedigt. Von Anfang an haben auch wir sie bei diesem Einsatz unterstützt: vor einem Jahr war eine Delegation von westafrikanischen Fischern in Wien, um EU-weit Politiker wachzurütteln.

Und im März und April war meine österreichische Kollegin Melanie Aldrian für etliche Woche im Senegal an Bord der Arctic Sunrise unterwegs. Hier also die Erfolgs-Story. Seit März 2012 ist Macky Sall neu gewählter Präsident in der Republik Senegal. Kurz darauf annullierte die neue Regierung die Fischerei-Lizenzen für 29 ausländische Industrieschiffe - die Lizenzen waren vom früheren Fischereiminister eigenmächtig und entgegen geltendem Gesetz vergeben worden.

Riesen-Trawler aus Russland, Litauen, Komoren, St. Vicent & Grenadinen und Belize mussten von einem Tag auf den anderen nach Hause fahren. Ein erster Schritt um die durch die fremden Flotten geplünderten Fischbestände vor Senegals Küsten wieder herzustellen. Damit setzte Sall das um, was er der Koalition von Greenpeace und senegalesischen Fischern vor seiner Wahl versprochen hatte - „entschieden gegen die illegale Plünderung der senegalesischen Fischgründe“ vorzugehen.

Letzte Woche zog Präsident Sall auch die zweite Notbremse, um seinen Fischern eine Zukunft zu geben - er verhängte für  sechs Monate ein Fangverbot für Industrieschiffe in Senegals Hoheitsgewässern! Die geplünderten Fischbestände haben damit eine Chance wieder nachzuwachsen. Und die ist bitter nötig: Seit Jahren fangen Senegals Fischer immer weniger Fisch - ausländische Industrietrawler fischten ab, was das Meer hergab. Hightech-Fischereischiffe aus Russland, Asien und Europa fangen und verarbeiten an einem einzigen Tag bis zu 250 Tonnen Fisch. Dafür müssen 56 traditionelle westafrikanische Fischerboote ein Jahr lang hinausfahren. Die Bestände in ganz Westafrika sind durch die fremden Flotten mittlerweile drastisch überfischt. Dabei ist jeder im Senegal vom Fisch abhängig: die Fischerei sichert Jobs und Nahrung für den Großteil der senegalesischen Bevölkerung. 

Kleine Fischer fangen wieder Fische.

Wieder Fisch auf dem Teller

Und was am schönsten ist: In Dakar sehen die kleinen Fischer in ihren Netzen bereits jetzt den Unterschied. Während noch vor wenigen Monaten die lokalen Fischer größte Probleme hatten ihre Familien zu ernähren und überhaupt die Fischmärkte beliefern zu können, kehren sie inzwischen abends triumphierend mit größeren Fängen zurück. Genau das ist es worauf es ankommt: Auf dem Meer und bei den Menschen wird die Veränderung sofort spürbar! Ein wichtiger Sieg und ein grandiose Motivation für die Greenpeace-Fischereikampagne in Westafrika.

Motivation ist dringend notwendig: Nachdem die Lizenzen für fremde Flotten aufgehoben und Industrietrawler verbannt sind, gilt es nun im Senegal ein nachhaltiges Fischereimanagement aufzubauen, das langfristig die Fischerei sichert. Schafft die neue Regierung auch diesen Schritt, kann dies ein wegweisender Impuls für die Fischereipolitik der gesamten westafrikanische Region sein. Gar nicht auszumalen, wenn plötzlich alle westafrikanischen Länder für immer die Raubbau betreibenden Fremdflotten aus ihrem Gewässern jagen würden!

Übrigens sollten sich unsere EU-Fischereiminister bei ihrer Reform der Gemeinsamen EU- Fischereipolitik am mutigen und konsequenten Handeln von Macky Sall ein Beispiel nehmen. Das Kernproblem der europäischen Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) – die Überkapazitäten der EU-Flotte – wurde von den EU-Fischereiministern bei den aktuellen Verhandlungen zur Reform der GFP jedenfalls gründlich verschlafen.

Eine „Weiterbildung“ beim senegalesischen Amtskollegen in Sachen Courage und „der Fischereiindustrie die Stirn bieten“ können wir Fischereiminister Berlakovich & Co. wärmstens empfehlen.