In den letzten Wochen waren Greenpeace-Teams rund um Fukushima unterwegs und haben die radioaktive Strahlung in Gemüse und Bodenproben gemessen. Sie haben besorgniserregende Dosen an Radioaktivität gefunden. Nun müssen diese Untersuchungen auf den Pazifik ausgeweitet werden. Deswegen ist die Rainbow Warrior mit einem Strahlenmessteam unterwegs.

Wir haben im Folgenden den Blogbeitrag von Ike Teuling übersetzt. Sie ist Atom- und Strahlenexpertin bei Greenpeace und schreibt von Bord der Rainbow Warrior.


Ich habe die besorgniserregenden Entwicklungen in Fukushima von Beginn an verfolgt – aus sicherer Entfernung, in meinem Büro in Amsterdam. Jetzt plötzlich befinde ich mich auf einem schwankenden Schiff und komme dem Unglücksgebiet jeden Tag ein bisschen näher…

Vor einer Woche bin ich in Keelung, Taiwan, an Bord der Rainbow Warrior gegangen. Eigentlich arbeite ich für Greenpeace Niederlande als Atomexpertin. Aber jetzt wird mein Wissen über radioaktive Strahlung hier an Bord gebraucht, um die Sicherheit der Crew zu garantieren.

Jetzt wo wir näher an Fukushima herankommen, hat die japanische Regierung begonnen, unsere Bemühungen unabhängige Untersuchungen durchzuführen, zu behindern. Die bisher von der Regierung und Tepco veröffentlichten Informationen sind ungenügend. Sie lassen nicht nachvollziehen, welche Gefahr tatsächlich von dem radioaktiven Wasser ausgeht, das kontinuierlich in den Pazifik läuft. Dabei besteht in der japanischen Bevölkerung ein großer Bedarf an unabhängiger Information zur radioaktiven Kontamination von Fisch und Meeresfrüchten. Aus diesem Grund wollen wir Muscheln, Fisch und Seetang untersuchen.

Die Informationen werden also dringend benötigt. Trotzdem hat die japanische Regierung uns am Donnerstag die Genehmigung verweigert, in ihre Hoheitsgewässer einzufahren und dort Messungen vorzunehmen. Wir dürfen Messungen außerhalb der 12-Meilen-Zone, durch die diese Gewässer abgegrenzt sind, vornehmen. In das Küstengebiet, wo die Japaner ihren Fisch fangen, dürfen wir nicht. Das ist eine sehr kritische Situation und wir werden nicht aufgeben. Wir halten weiter Kurs auf Fukushima, um unsere Untersuchungen von weitem zu beginnen. Gleichzeitig versuchen wir, doch noch die Erlaubnis zu bekommen, auch innerhalb der 12-Meilen-Zone Proben nehmen zu dürfen. Eigentlich sollte die japanische Regierung solche unabhängigen Untersuchungen doch begrüßen. Tatsache ist, dass sie nie genügend Informationen über das Ausmaß der radioaktiven Verstrahlung haben kann. Und die Bevölkerung hat ein Recht darauf.

Sich Fukushima zu nähern, ist nicht ungefährlich. Die Reaktoren sind immer noch nicht völlig unter Kontrolle und es besteht die ganze Zeit ein Risiko, dass es zu weiteren Eskalationen kommt. Zum Beispiel könnte es wieder eine Explosion geben, durch die große Mengen von Radioaktivität frei gesetzt werden. Oder ein Nachbeben, das den ganzen Reaktor zusammenstürzen lässt. Deshalb gibt es an Bord der Rainbow Warrior umfassende Sicherheitsvorkehrungen. Wir haben während der letzten Woche viel Zeit damit verbracht, das Schiff „strahlungssicher“ zu machen. Dafür haben wir auf der Bücke Geräte zur Strahlenmessung installiert, spezielle Luftfilter bestellt und einen Bereich extra zur Dekontaminierung gebaut. Wir haben der Unterweisung unserer mutigen Crew viel Zeit gewidmet. Es ist wichtig, dass sie über Basiswissen zu radioaktiver Strahlung verfügt und so das Risiko einschätzen kann, bevor sie in einem möglicherweise radioaktiv verstrahlten Gebiet arbeitet. Wir haben den Ablauf von Dekontamination geübt und Anweisungen zu spezieller Arbeitskleidung gegeben: weiße Anzüge aus Tyvek-Faser, verklebt mit Gummistiefeln und Handschuhen. Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass die Crew mir und Jacob, unserem anderen Strahlenschutzbeauftragtem, vertraut und wir für ihre Sicherheit verantwortlich sein dürfen.

Nach einigen Tagen unvermeidlicher Seekrankheit bin ich jetzt ziemlich seefest und bereit, den Gefahren ins Auge zu sehen – und allen Hindernissen, die die japanische Regierung unserer wissenschaftlichen Mission in den Weg legt.

Ike Teuling

für das "Radiation Survey Team"