Thomas Breuer, Leiter des Atom- und Energiebereichs bei Greenpeace berichtet von seiner Arbeit mit einem internationalen Greenpeace-Team in der Region Fukushima.

Der gestrige Tag war von Planänderungen gekennzeichnet. Wir waren auf dem Weg nach dem 25 Kilometer nördlich des Reaktors gelegenen Minamisoma, um dort weitere Lebensmittelproben zu nehmen. Zudem wollten wir Messungen in der Stadt vornehmen. Doch dann erreichte uns der Warnruf unseres Back-up-Teams, dass der Wind früher als erwartet auf Nord dreht. Das hieß, er drehte direkt vom Reaktor Richtung Minamisoma.

Wir haben unseren Einsatz abgebrochen und sind stattdessen nach Süden gefahren. Wir fuhren entlang der Strasse Nr. 4. Von Fukushima Stadt nach Koriyama haben wir Messungen vorgenommen. In einem Dorf etwas abseits der Strasse haben wir relativ hohe Strahlenwerte gemessen. Ein Dorf, von dem es keine offiziellen Messungen gibt, wo das Leben trotz der radioaktiven Belastung oberflächlich gesehen seinen normalen Gang nimmt.

Doch unter der Oberfläche brodelt es. Wir haben mit mehreren Eltern gesprochen, die zum Teil sehr besorgt waren. Ein Vater gibt seinen Kindern beispielsweise Gasmasken für den Fall der Fälle mit in die Schule. Es ist unglaublich wie alleine die Menschen gelassen werden.

Später am Nachmittag bekamen wir dann die Info, dass Tepco am Abend Stickstoff in den Reaktor 1 pumpen will, um eine mögliche weitere Wasserstoffexplosion zu verhindern. Da wir erstmal beobachten wollten, was am Reaktor passiert, haben wir uns gegen 17 Uhr aus der Region in unsere Basisstation zurückgezogen.

Abends drehte der Wind in Richtung Nord-West genau in die Richtung unserer Basisstation. Zur Vorsicht haben wir Lebensmittel, Wasser und unsere Notfallausrüstung auf die Zimmer gebracht – um im schlechtesten Fall einer radioaktiven Wolke in unsere Richtung – unsere Unterkunft nicht verlassen zu müssen.

Sayõnara,
Thomas