Thomas Breuer,  Leiter des Atom- und Energiebereichs bei Greenpeace berichtet von seiner Arbeit mit einem internationalen Greenpeace-Team in der Region Fukushima.

Gestern sind wir das erste Mal direkt in die betroffene Region gefahren. Unser Team ist nach Minamisoma gefahren, wo wir uns mit dem Bürgermeister Katsunobu Sakurai getroffen haben. Er hatte uns um Hilfe gebeten. Minamisoma wurde schwer von Erdbeben und Tsunami getroffen und liegt nur 25 Kilometer nördlich der zerstörten Reaktorblöcke.

Der Bürgermeister ist verzweifelt, da er kaum Informationen von Tepco oder der Regierung bekommt, obwohl seine Stadt sehr nah am Unglücksreaktor liegt. Tepco kontaktierte ihn zum ersten Mal am 22. März, aber nur um sich für den Unfall zu entschuldigen. Niemand erklärt, was man wirklich machen kann und soll, um sich vor der Radioaktivität zu schützen.

Da die Regierung Minamisoma nicht evakuiert, kehren die Menschen inzwischen in die Stadt zurück, da zur Zeit auch die Radioaktivitätslevel leicht zurückgehen. Besonders schockierend für mich war, dass ich Familien mit kleinen Kindern in dieser Stadt gesehen habe und viele Leute sich mit Atemschutzmasken für Allergiker – die hier ohnehin viel getragen werden – vor radioaktiven Partikeln zu schützen versuchen. Das funktioniert aber nicht.

Auf dem Land um die Stadt das gleiche Bild, die Menschen haben keine vernünftigen Informationen. Eine Bäuerin, die uns bei unserer Arbeit sah, bat uns zu ihr zu kommen und ihren Spinat zu testen. Zudem wollte sie, dass wir Erdproben von ihrem Acker nehmen, da demnächst die Aussaat ansteht. Sie weiss gar nicht, ob sie aussähen kann, ob ihr Ackerboden nicht zu kontaminiert ist. Gleichzeitig versucht die Regierung Normalität zu predigen.

Die Verunsicherung ist sehr groß und die Menschen werden einfach mit ihren Sorgen und Fragen alleine gelassen. Ich bin froh, dass wir als Greenpeace zumindest etwas Licht ins Dunkle bringen und die Menschen damit unterstützen können.

Sayõnara,
Thomas