Es regnete "wie aus Schaffeln", wie man so schön daheim in Österreich sagt. In Chennai heißt das dann "retreating monsoon", also eine Art rückkehrender Monsun, der im Spätherbst den Südosten Indiens trifft. Wahnsinn welche Wassermassen da in kürzester Zeit runterprasseln. Jedenfalls war's eine Erklärung dafür, warum sich die diversen Umwelt- und Entwicklungs- NGOs in einem recht gediegenen Beach Ressort etwas außerhalb von Chennai treffen konnten. Zu dieser Jahreszeit steht der Tourismus logischerweise still und wahrscheinlich gibt´s kaum günstigere Destinationen als ein Beach Ressort mitten im Monsun.

Jedenfalls war meine zweite Woche in Indien von Regen und ebenso heftigen Debatten über Klima und globale Gerechtigkeit geprägt. Während wir in Europa Klimawandel traditionell als Umweltthema betrachten, liegt der Schwerpunkt der südlichen Perspektive bei den Auswirkungen und der Frage nach einer nachhaltigen Entwicklung. So drehten sich die meisten Debatten darum, ob Entwicklungs- und Schwellenländer im Rahmen des Kyoto Protokolls Verpflichtungen zur CO2 Reduktion eingehen sollen, insbesondere solange der Norden hier mehr als säumig ist. Ebenfalls spannend und kontroversiell diskutiert war in wie weit Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern und innerhalb der Entwicklungsländer zukünftig berücksichtigt werden sollen. Hier gab es im Kern zwei unterschiedliche Positionen. Die eine - v.a. von Entwicklungs-NGOs aus dem Süden vertreten - besagt, dass die Priorität der Entwicklungsländer auf Armutsbekämpfung liegen muss und solange der Norden säumig ist und auch nicht durch sein Beispiel beweisen kann, dass eine CO2 freie Entwicklung möglich ist, sollen die Entwicklungsländer keine Verpflichtungen eingehen. Die andere Position - der auch Greenpeace anhängt - meint, dass zumindest die Mittel- und Oberschichten in den Schwellenländern sich auch jetzt schon an Reduktionsmaßnahmen beteiligen sollen.

Der Kanadische Klima-Thinktank EcoEquity hat diesbezüglich ein sehr interessantes Modell entwickelt, welches meiner Meinung nach gegenwärtig die schlaueste Form ist mit diesen globalen Verteilungsproblemen umzugehen: die Greenhouse Development Rights. Im Kern geht´s darum den CO2 Ausstoß eines Landes und seine interne Verteilungssituation so zusammen zu bringen, dass eine "gerechte" Lösung rauskommt. So hat etwa Japan und Indien praktisch gleich viel CO2 Ausstoß, trotzdem ist die Verantwortung und die Möglichkeit für Japan deutlich größer als die Indiens. Entsprechend mehr muss Japan tun, aber Indien muss ebenfalls - entsprechend der Größe seiner Mittel- und Oberschicht - sich an den Maßnahmen beteiligen. Details über diesen spannenden Ansatz, der zukünftig sicher noch eine große Rolle in der Klimadebatte spielen wird, findest du hier: http://www.ecoequity.org/GDRs/