Anti-Walfang Protest in Seoul

© Alex Hofford / Greenpeace

Letzten Sommer schockte mein Heimatland Südkorea die Welt mit der Nachricht, im Sommer 2013 mit dem Walfang zu "Forschungszwecken" zu beginnen.

Der darauffolgende Sturm der Entrüstung in den Medien rund um die Welt überraschte meine Regierung. Sie ruderte daraufhin zurück und versuchte den Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sie den Medien gegenüber verlautbaren ließ, dass sie sich mit Interessensvertretern wie Fischer, Umweltorganisationen und anderen Regierungen beraten würde. Falls dadurch Wege aufgezeigt würden, die wissenschaftlichen Ziele zu erreichen, ohne Wale zu töten, würde die Regierung den Plan fallenlassen, Walfang zu Forschungszwecken zu betreiben.

Vier Monate später, an einem kalten Novembertag, fand ich mich daraufhin im Regierungsgebäude in Gwacheon wieder, nur eine kurze U-Bahn-Fahrt von Seoul entfernt, um andere koreanische Umweltgruppen in der Besprechung zu unterstützen. Es waren unzählige Regierungsabteilungen dort – Fischerei, das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Handel, das Umweltministerium, das Ministerium für Land, Verkehr und Meeres-Angelegenheiten, das Ministerium für Regierungsgesetzgebung. In meinen Augen die entscheidendsten waren die Vertreter des koreanischen Walforschungsinstitutes "Cetacean Research Institute" (CRI) - das Gremium, das nach japanischem Vorbild den kommerziellen Walfang nach Südkorea zurückbringen will.

Zwar hat auch Südkorea 1986 offiziell den kommerziellen Walfang mit Beginn des internationalen Walfangverbotes eingestellt. Dennoch wird an Südkoreas Ostküste jedes Jahr das Fleisch hunderter Zwergwale angelandet und verkauft, vor allem in der Gegend um Ulsan, ein ehemaliger Walfanghafen, wo die CRI ihren Sitz hat. Diese Wale gehen den Fischern angeblich als "Beifang" ins Netz und dürfen somit laut unseren Gesetzen verkauft werden (Greenpeace-Report: Disappearing Whales: Korea's Inconvenient Truth).

Kein schlechtes Zusatz-Geschäft für die Fischer und der Schwarzmarkt für Walfleisch in Ulsan blüht. Die Zahl der "unabsichtlich mitgefangenen" Wale ist daher auch erschreckend hoch. Walzählungen weisen darauf hin, dass die Zahl der Zwergwale vor Südkorea jedes Jahr um 5 bis 7 Prozent zurückgeht. Zwergwale sind übrigens auch bei uns eine geschützte Walart.

Ich erklärte, dass auf der ganzen Welt Wissenschaftler Wale untersuchen würden, ohne sie zu töten und stellte diverse unterschiedliche Walforschungs-Programme vor. Der CRI-Vertreter antwortete nicht auf meine wiederholte Frage, warum sie eine geschützte Art töten wollen. Er sagte nur, sie hätten viele nicht-tödliche Untersuchungen gemacht, aber der beste Weg um zu sehen, was die Wale gefressen haben, sei nun mal sie aufzuschneiden. Für mich ist offensichtlich, dass einige Leute in Korea den kommerziellen Walfang nie wirklich aufgegeben haben, sonst hätte ich nicht zu diesem Treffen gehen müssen.

Aber es gibt noch Hoffnung! Der CRI-Mann sagte, dass ihre Entscheidung für tödliche oder nicht-tödliche Walforschung auch von "anderen Themen" beeinflusst werden würde. Für mich ist ganz klar, was das bedeutet: der politischer Druck ist entscheidend!

Der Vertreter des Fischereiministeriums fasste es treffend zusammen: "Entweder wir machen Walfang zu Forschungszwecken, oder wir machen es nicht. Wir werden euch zuhören, bevor wir irgendeine Entscheidung treffen."

Die Regierung wird ihre Entscheidung am 3. Dezember treffen, das ist in zwei Wochen! Ich weiß, dass bei dieser Entscheidung die Meinung aus dem Ausland eine wichtige Rolle spielen wird. Ist der internationale Protest stark genug, werden die kritischen Stimmen in der Regierung gegenüber dem Walfang wachsen. Und jeder Brief, jedes E-Mail und jeder Zeitungsartikel hat einen Einfluss!

Bitte teilen Sie dem Premierminister meines Landes Ihre Entrüstung darüber mit, dass Südkorea unter dem Deckmantel der Forschung den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen will. Wo immer Sie auf dieser Welt leben, helfen Sie uns und schicken der koreanischen Regierung Ihre Nachricht. Sie können den Walfang stoppen bevor er beginnt!

Jeonghee Han stammt aus Südkorea und ist Meeres-Kampagnerin bei Greenpeace Ostasien.