Unser neuer Report „How Clean ist Your Cloud“ wurde veröffentlicht, um zu zeigen, dass der enorme Zuwachs des Internets vorwiegend durch Strom aus umweltschädlicher Produktion betrieben wird. Apple, Amazon und Microsoft schneiden im Report schlecht ab, weil diese ihre Rechenzentren mit Strom aus Kohle- und Atomkraft betreiben.

Bereits im Jahr 2010 als auch im Jahr 2011 hat Greenpeace in Form der Cloud Computing Reports die weltweit führenden IT-Unternehmen dazu aufgefordert, darüber Auskunft zu geben, wie viel Energie für die von uns täglich genutzten Internet-Dienste benötigt wird und auf welche Art und Weise dieser Strom hergestellt wird.

Via New York Times hat nun Apple reagiert:

In einer Stellungnahme auf den aktuellen Report hat Apple erstmals bekannt gegeben, dass deren Rechenzentrum unter Volllast 20 Millionen Watt verbrauchen würde – und das sei viel niedriger als die Schätzung von Greenpeace in Höhe von 100 Millionen Watt. In dieser Region, die vom US-Energiebetreiber „Duke Energy“ versorgt wird, können mit einer Million Watt 750 bis 1.000 Haushalte versorgt werden.

Die Apple-Sprecherin Kristin Huguet fügte hinzu, dass das Unternehmen zwei größere Projekte baut, die mit Photovoltaik-Panelen und Brennstoffzellen ausgestattet sein werden. Diese wären dann in der Lage, Strom in das Netz von North Caroline zurück zu speisen.

Es ist erfreulich, dass Apple sich dazu entschlossen hat, mehr Informationen über den Energieverbrauch seiner Rechenzentren bekannt zu geben. Apple äußerte sich jedoch nicht zur Höhe der Investition sowie zur technischen Größe des Rechenzentrums.

Als Apple verlautbarte, dass sie ein Rechenzentrum in North Caroline bauen würden, gab es die Zusage, innerhalb von 10 Jahren 1 Milliarde US-Dollar zu investieren. Greenpeace hat für einige der Rechenzentren des „How Clean is Your Cloud“-Reports Schätzungen zum Energieverbrauch vorgenommen, indem branchenübliche Bewertungsrichtlinien für Investitionen in Rechenzentren herangezogen wurden: 15 Millionen Investitionen in Rechenzentren führen zu 1 MW Energiebedarf der Server, obwohl bei manchen der im Report untersuchten Unternehmen der Faktor 8 Millionen Investition zu 1 MW Energiebedarf gilt.

Wenn man also eine Milliarde Dollar in ein Rechenzentrum investiert, dann führt das zu einem Energiebedarf von rund 66 MW für die Server. Für die restliche Ausstattung des Rechenzentrums kann man den üblichen Faktor von rund 50% der Serverkapazität rechnen. Das macht dann in Summe 100 MW für das Rechenzentrum.

Apple ist dafür bekannt, eher teurere Produkte für EndkundInnen anzubieten, wenn Apple nun angibt, dass die Investition von 1 Milliarde US-Dollar nur zu einem Strombedarf von 20 Megawatt führt, dann würde die Apple „Premium“-Philosophie auf eine völlig neue Ebene führen.

Auf die Größe kommt es an

Eine Anlage in der Größe von rund 150.000 Quadratmetern würde ebenfalls auf einen höheren Energieverbrauch hindeuten. Der für das Web zuständige Chefingenieur bei Amazon hat kürzlich eine vorsichtige Schätzung abgegeben, dass das Rechenzentrum von Apple mindestens 78 MW benötigen würde. Seine Mutmaßung war jedoch, dass es weit höher liegen würde.

Greenpeace musste für den Report Schätzungen vornehmen, weil Unternehmen wie Apple oder Amazon keine Informationen dazu veröffentlichen, wie viel Energie ihre Rechenzentren zurzeit und in Zukunft verbrauchen. Vor der Veröffentlichung des Reports „How Clean ist Your Cloud“ wurden Apple die Berechnungen von Greenpeace zur Verfügung gestellt. Obwohl Apple den Schätzungen nicht zustimmte, hat sich das Unternehmen geweigert, genauere Informationen über ihren Energiebedarf bekannt zu geben.

Obwohl wir die Bemühungen von Apple erfreulich finden, dass sie mehr zu ihrem Rechenzentrum in North Carolina bekannt geben, wurden leider nicht alle Fakten auf den Tisch gelegt. Es entsteht vielmehr den Eindruck, dass durch diese selektiven Informationen der eigene umweltschädigende Fußabdruck kleiner gemacht werden soll.

Die IT-Industrie kann Teil der Lösung für so „altmodische“ Probleme wie Emissionen aus Kohlekraft sein. Einige Unternehmen wie Google, Yahoo und Facebook zeigen vor wie es geht, indem sie ihre virtuelle Wolke anstelle mit Strom aus fossiler oder nuklearer Energie Schritt für Schritt mit immer mehr Strom aus Erneuerbaren Energieträgern betreiben.

Die aktuelle Greenpeace-Kampagne eröffnet eine Chance für Apple, diesen Firmen zu folgen und ein Teil der Lösung für den Klimawandel zu werden, damit wir mit den Emissionen, die aus dem Zuwachs der Cloud Computing Dienste entstehen, umgehen, bevor sie zu einem unumkehrbaren Problem werden.

Unternehmen, die diese Chance ergreifen wollen, müssen als ersten Schritt Transparenz über ihren Energieverbrauch bieten.

Claudia Sprinz, Greenpeace Konsumentensprecherin