Packen steht an. Heute Nacht geht es für 2 ½ Wochen zurück nach Europa. Der Grund sind die anstehenden UN-Klimaverhandlungen im Polnischen Posznan. Nachdem letztes Jahr auf Bali in einem dramatischen Show-Down die Grundlagen für die weiteren Verhandlungen in Richtung der wirklich großen Klimakonferenz nächstes Jahr in Kopenhagen, gelegt wurden, stellt Posznan einen wichtigen Zwischenschritt dar. Es wird in den nächsten Wochen keinen dramatischen Durchbruch geben, aber einige Weichen könnten gestellt werden. Details dazu aber nicht hier und heute sondern in den nächsten 2 ½ Wochen in einem eigenen Blog aus Polen.

Indien ist ein Schlüsselland in den Verhandlungen und wir haben die letzten Tage sehr viel über Strategien diskutiert, wie wir Indiens Position in Richtung größtmöglicher Konstruktivität beeinflussen können.
Indien ist ein Schlüsselland in den Verhandlungen, weil es ein sogenannter "deal breaker" sein kann. D.h. Indien ist in der Lage und durchaus bereit am Ende von Verhandlungen "Nein" zu einem Abkommen zu sagen, wenn es nicht passt. Das können nur sehr wenige Länder - oder kann sich etwa jemand Bangla Desh in einer solchen Rolle vorstellen?
Indien ist ein Schlüsselland, weil es von einem sehr hohen moralischen Standpunkt aus argumentiert (auch wenn überwiegend ökonomische Interessen dahinter stecken) und so ein Sprecher für alle Entwicklungsländer ist. So verspricht Indien etwa, dass seine Pro-Kopf -Emissionen immer unter dem Durchschnitt der Industrieländer liegen werden. D.h. wenn die Industrieländer ernsthaft von Indien etwas wollen, dann sollen sie gefälligst ihre Emissionen senken und dagegen ist ernsthaft nicht zu argumentieren.
Indien ist aber auch ein Schlüsselland, weil es groß ist, weil es eine boomende Wirtschaft und entsprechende Steigerungen in den Emissionen hat und weil es erfahrende und ausgezeichnet ausgebildete Verhandler besitzt.

In Posznan wird sich Indien - vermute ich einmal - sehr zurück halten und auf Angebote der Industrieländer warten. Das ist soweit fair, da die ersten Schritte des Nordens seit Jahren überfällig sind (das Österreichische Regierungsprogramm passt da erschreckend ins Bild), nur irgendwann wird Indien aus der Deckung kommen müssen und klare Angebote machen. Mal schauen wie rasch der Norden sich bewegt und somit Indien ebenfalls zu Bewegung zwingt. Jedenfalls 2 ½ Wochen im winterlichen Europa werden sich seltsam anfühlen auch wenn sie überwiegend im Konferenzzentrum zugebracht werden.