Gestern hab ich mich den halben Tag durch Bewerbungen für eine/n Atom-KampaignerIn für das indische Büro gearbeitet. Den ersten Schwung Bewerbungen sichten ist immer eine eher anstrengende Angelegenheit. Da unterscheidet sich Indien nicht von Österreich. Im Endeffekt hab ich aber jetzt 5 spannende Interviews vor mir. Heute gehts gleich weiter mit den Atomen: Wir treffen einige Leute anderer NGOs um die gemeinsame Anti-Atom Arbeit zu besprechen und zu koordinieren. Atom ist ein heißes Thema in Indien und deutlich anders als im eh-klar-kernkraftfreien Österreich. In Indien kommt deutlicher zu Tage, worum es eigentlich in der ganzen Nuklearindustrie geht.

Energieproduktion ist eine schöne Ausrede, und das Märchen von der Klimalösung wird hier nicht einmal erzählt. In der Atomindustrie geht es zuerst einmal um Rüstung. Indien ist eine Atommacht und will sein militärisches Abschreckungspotential in Richtung Pakistan, aber auch China, klar machen. In zweiter Linie geht es in der Atomindustrie um nationalen Stolz. Immer noch gilt die Fähigkeit Atomenergie zu produzieren und Atombomben zu bauen als eine der Spitzen wissenschaftlich-technologischen Fortschrittes. Ein Kollege hat richtigerweise gemeint, dass Indien auf der einen Seite stolz ist ganz allein und ohne fremde Hilfe Atomkraftwerke zu bauen und auf der anderen Seite nicht bereit ist eigenständig ein entsprechendes Solarprogramm zu entwickeln. Aber für militärische Zwecke und für nationalen Stolz brauchts halt mehr Eigenständigkeit als für Energieproduktion und um die gehts bei Atomenergie halt genau nicht.

Jedenfalls werden wir jetzt in Indien mit einer entsprechenden Atomkampagne beginnen. Leider erst jetzt und nicht schon früher, aber so ist es halt, wenn man ein Büro in einem Riesenland aufbaut. Die Notwendigkeiten für Greenpeace zu handeln sind unendlich. Die Möglichkeiten leider beschränkt. Aber wir entwickeln diese Möglichkeiten laufend weiter und wenn eine der Bewerbungen hält was sie verspricht, dann auch bald im Kampf gegen die indische Atomindustrie.