Ein Greenpeace-Team aus Österreich mitten im Trubel um die  Volksabstimmung über Berlusconi und seine Atompläne.

Alle Wege führen nach Rom – das gilt offenbar auch für uns: Alexandra, Iris, Niklas und meine Wenigkeit Steffen. Das italienische Greenpeace-Team wollen wir während des Referendums gegen den von Silvio Berlusconi geplanten Einstieg Italiens in die Atomkraft unterstützen. Und den Daheimgebliebenen wollen wir davon berichten.

Angekommen in der ewigen Stadt wenden wir uns gleich einmal an einen Taxifahrer – man will ja schließlich zu einer profunden Analyse der aktuellen innenpolitischen Situation kommen. Verwirrend genug, es wird ja immerhin über drei Themen in vier Fragen abgestimmt: Atomkraft, Regierungsprivilegien und Wasserprivatisierung.

Und dann gleich eine kleine Enttäuschung. Obwohl dutzende verschiedene Plakate Demonstrationen, Konzerte und andere Veranstaltungen rund um die Volksabstimmung anpreisen, verneint der Taxifahrer unsere Frage, ob in den nächsten Tagen etwas Ähnliches in der Stadt geplant sei, um von dort berichten zu können. Er erklärt, dass es 48 Stunden vor dem Abstimmungstag verboten wäre, Kampagnen jeglicher Art zu führen und dass er deshalb bezweifelt, dass irgendwas dergleichen in der Stadt organisiert wird. Bestätigt wird lediglich ein Stereotyp, dass wenn man einen Italiener nach seiner Meinung fragt  man unweigerlich in ein stundenlanges Gespräch verwickelt wird. So beginnt er über Politik zu sprechen und darüber wie sehr es in den letzten Wochen hin- und herging in der Frage, ob diese Volksabstimmung überhaupt stattfinden kann. Er klagt,  wie  Berlusconi alles versucht hat, um das Referendum zu verhindern. Trotz anstehender Wahlen, die für eine hohe Beteiligung gesorgt hätten, wurde das Referendum an einen Tag gelegt, wo man die Italiener eher am Strand als an den Urnen vermuten würde.

Schon zuvor hatte Berlusconi als Reaktion auf die Atomkatastrophe in Japan angekündigt, auf die Atomenergie in den nächsten Jahren zu verzichten –Ablenkungsmanöver Hilfsausdruck –, um damit der geplanten Volksabstimmung die Notwendigkeit abzusprechen und sie so zu verhindern.

Das Verfassungsgericht ist jedoch nicht auf ihn eingegangen - das Referendum findet trotzdem statt. Silvios Antwort:  In all seinen eigenen privaten wie in den ihm ergebenen staatlichen TV-Programmen wird nicht mehr über das Referendum gesprochen. Angesichts der überproportional hohen Bedeutung des Fernsehens in der italienischen Medienlandschaft ein cleverer wie brutaler Konter.

Berlusconi versuche somit die Bevölkerung durch Desinformation zu verwirren, erklärt unser Taxler, die meisten Menschen wussten bis vor wenigen Tagen nicht genau, ob das Referendum nun doch stattfinden würde oder nicht. Wir fragen, ob er an die Erreichung des Quorums glaubt, denn für eine erfolgreiche Volksabstimmung müssen in Italien fünfzig Prozent der Wahlberechtigten den Urnengang antreten. Darauf antwortete er: „Io non credo, ma speriamo!“ („Ich glaube nicht, aber hoffen wir‘s!“).

So geht’s auch uns, die ersten Zahlen schauen im historischen Vergleich nicht schlecht aus. Jetzt heißt‘s auf Montag Nachmittag warten und die Daumen drücken. Dass die Italiener Berlusconis Atompläne mehrheitlich ablehnen werden, stellt hier niemand wirklich in Zweifel.

Steffen Nichtenberger leitet die Medienabteilung von Greenpeace in Wien.