Eigentlich wollte ich ja jeden Tag einen IWC-Blog schreiben und euch berichten, was hier bei der Konferenz der Internationalen Walfangkommission so los ist. Doch letztendlich habe ich es gelassen - es gab einfach nichts richtig zu berichten! Gestern wurde die IWC-Jahrestagung beendet – einen Tag früher und ohne ihrem Ziel näher zu kommen - die Modernisierung der IWC und einen besseren Schutz für die Wale. Nach 12 Monaten Diskussionen hat man sich nur darauf einigen können, dass man in einer „minituarisierten“ (ja – dass steht wirklich genauso im Beschluss!) Kleinarbeitsgruppe bis zur nächsten IWC-Konferenz im Juni 2010 weiter diskutieren wird, um für die IWC eine „Zukunft“ zu finden. Sprich: Die ganze Woche wurde geredet, aber man ist genauso schlau wie vorher!

Die meistbenutzten Worte waren „Konsens“, „Kompromiss“ und „Kleinarbeitsgruppe“ und vor lauter „Wir sind nett zueinander“-Getue hat man darauf vergessen, laut dagegen zu protestieren, dass letztes Jahr 1936 Wale dem Walfang zum Opfer fielen – so viele, wie schon lange nicht mehr! Davon gehen 1004 auf das Konto der japanischen „wissenschaftlichen“ Walfänger! Wenn die IWC wirklich etwas voranbringen will, dann muss sich am Diskussionsprozess grundlegend etwas ändern, vor allem muss – als Zeichen guten Willens auf Seiten der Walfänger - der Walfang sofort gestoppt werden.

Ehrlich gesagt, hatten wir schon vorher nicht erwartet, dass die IWC plötzlich den Durchbruch schafft, aber ein bisschen Hoffnung hatten wir doch, dass hoch bezahlte und weit gereiste Regierungsvertreter intellektuelle und zielführende Diskussionen führen könnten – leider nein. Trotzdem war der scheidende IWC-Vorsitzende Bill Hogarth in seiner Abschlussrede sehr stolz darauf, dass er alle dazu gebracht hatte, miteinander „nett“ zu reden. Wir hatten jedenfalls deutlich höhere Erwartungen. Ein Fünkchen Hoffnung besteht: Der neue Vorsitzende, der Chilene Christian Maqueira, ist zwar auch kein Superheld, der die IWC mit einem Fingerschnippen aus der Blockade-Situation bringen kann, aber er ist jemand, der Veränderungen zum Wohl der Wale verspricht.

Auch in der US-Delegation hat seit gestern der Kehrausbesen der neuen Obama-Regierung gewütet und mit einem eindeutigen Statement der Obama-Vertreterin gegen den tödlichen Forschungswalfang Japans war klar, das die Bush-Delegation nun endgültig ihren Posten verlässt. Die USA wird wohl in Zukunft den Kuschelkurs mit Japan wieder verlassen... Für uns hat sich das auch darin gezeigt, dass die Obama-Delegierte sich mit Junichi zu einem Gespräch getroffen hat - die USA verfolgt inzwischen den Prozess gegen unsere beiden Greenpeace-Aktivisten in Japan mit kritischem Blick!

Übrigens hat die IWC noch einen Beschluss gefällt, der durchaus positiv ist: Im Konsens wurde eine Resolution verabschiedet, die auf die Gefahren des Klimawandels auf Wale und Delfine aufmerksam macht und die Regierungen aufgefordert, ‚dringende Maßnahmen zu ergreifen, um das Ausmaß und die Folgen des Klimawandels zu reduzieren’. Der Klimawandel war bis jetzt nie ein konsensfähiges Thema in der IWC. Dies ist ein enormer Schritt, denn einige Wal- und Delfinarten sind durch den Klimawandel unmittelbar vom Aussterben bedroht, wie die arktischen Nar- und Beluga-Wale oder der Vaquita.

Nach einer letzten Sitzung der „verkleinerten“ Arbeitsgruppe ist nun heute Mittag die IWC nun endgültig zu Ende gegangen. Kleiner heißt nicht unbedingt besser und die einzige Größe, die letztendlich zählt, ist die ‚verkleinerte’ Zahl der getöteten Wale!

Daran arbeiten, dass jeglicher Walfang endlich beendet wird, können wir ja auch außerhalb der IWC. Es gibt da so einiges zu tun: Island und Japan warten gerade jetzt dringend auf eure Unterstützung! ;-)

Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin