© Noriko Hayashi

 

Die Anstrengungen der japanischen Regierung, das verstrahlte Gebiet um Fukushima zu dekontaminieren, sind nicht ausreichend. Die Bürger der Stadt Tamura stehen damit vor einem grausamen Dilemma: Sollen sie in ihre Heimatstadt zurückkehren und eine Verstrahlung riskieren oder ihr Hab und Gut zurücklassen ohne dafür entschädigt zu werden?

Tamura ist eines jener Gebiete, welches nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima zum Schutze der Bevölkerung evakuiert wurde. Neue Messungen von Greenpeace haben ergeben, dass trotz der intensiven Dekontaminierungsarbeiten der japanischen Regierung die Strahlungswerte die Zielvorgabe von 0,23 Mikrosievert pro Stunde übersteigen. Dies ist der kritische Wert, den es braucht, um den internationalen Standard von 1 Millisievert pro Jahr einhalten zu können. Dennoch hebt die japanische Regierung in Teilen von Tamura jetzt die Evakuierungszone auf.

„Die Messungen von Greenpeace zeigen, dass die Verstrahlung in Tamura City nach wie vor zu hoch ist“, kritisiert Rianne Teule, Atomexpertin von Greenpeace International. „Wenn sich Menschen entschließen, jetzt nach Tamura zurückzukehren, besteht für sie ein permanentes Strahlungsrisiko. Wenn sie jedoch nicht zurückkehren, werden sie auch nicht von der japanischen Regierung unterstützt. Für die Menschen ist dies eine untragbare Situation.“

Ein 16-köpfiges Team von Strahlungsexperten von Greenpeace hat von 1.-5. Oktober 2013 Messungen in Tamura City vorgenommen. Die Strahlung, die an Straßen, in Wäldern und in und um Häusern vorgefunden wurde ist höher als von der Regierung versprochen. Die Aufzeichnungen von Greenpeace zeigen, dass in 39% der untersuchten 18.180 Messpunkte die Grenzwerte von 0,23 Mikrosievert überschritten wurden.

In Tamura haben die Greenpeace-Experten mit Menschen gesprochen, die dabei sind ihr Leben wieder aufzubauen. Wenn die Regierung die Evakuierungszone aufhebt, werden sie ihr Recht auf Kompensation verlieren. Die Menschen, die in ihre Häuser zurückkehren, werden in einer teilweise dekontaminierten Umwelt leben, jedoch weiterhin von Feldflächen und Wäldern umgeben sein, die nach wie vor radioaktiv verstrahlt sind.

Die erzwungene Evakuierung vor zwei Jahren hat Familien auseinandergerissen. „Die Verluste, die die Menschen in Japan hinnehmen mussten sind nicht quantifizierbar, doch die japanische Regierung tut so, als wäre in Tamura wieder der Normalzustand hergestellt“, so Hisayo Takda, Energie-Experte bei Greenpeace in Japan. „Die Regierung muss auf die Menschen hören und mehr Unterstützung für sie bieten, wenn sie sich entscheiden, zurückzukehren, aber auch, wenn sie sich entscheiden, anderswo ein neues Leben aufzubauen. Japan sollte seine Menschen und nicht die Interessen der Atomlobby schützen.