Im Vorfeld des 62. Jahrestreffens der Internationalen Walfangkommission von 21. bis 25. Juni in Agadir, Marokko, konnten internationale Medien mehrere Skandale enthüllen, welche Korruption und Menschenrechtsverletzungen rund um das Walfangprogramm der japanischen Regierung ans Licht brachten. Lesen Sie selbst:

Es war vor zwei Jahren, als Junichi Sato und Toru Suzuki das korrupte Herz der japanischen Walfangindustrie aufdeckten. Der Korruptions- und Unterschlagungsskandal reicht vom Zerlegen der Wale auf dem Deck der "Nisshin Maru" über eine Kette von Befehlen bis in das „Institute of Cetacean Research“ (ICR) und weiter bis ins japanische Parlament.

Die australische Zeitung „Foreign Correspondent“ berichtete am 8. Juni detailliert über den menschenrechtsverletzenden Umgang mit den Tokyo Two, wie Junichi und Toru genannt werden: Die willkürliche Verhaftung, die lange und unnötige Untersuchungshaft und das drohende unangemessene Urteil von eineinhalb Jahren unbedingter Haft, während die Behörden weiterhin öffentliches Geld des Walfangprogrammes veruntreuen.

Die englische Zeitung, “The Guardian”, stellte letzte Woche in Rechnung, dass ein früherer Walfänger auf die andere Seite wechselte und sich als Informant an Greenpeace wandte. Dabei riskierte er sein Leben, in der Hoffnung, den Skandal publik zu machen, den er selbst auf dem Walfangschiff miterlebt hatte. Mit den weiteren Korruptionsvorwürfen innerhalb der durch öffentliche Gelder finanzierten japanischen Walfangindustrie, die diese Woche an die Oberfläche geraten sind ist klar, dass die Tokyo Two erst die Spitze des Eisberges ans Tageslicht gebracht haben.

Letzte Woche hat die britische "Sunday Times" die Ergebnisse einer verdeckten Recherche zu den Vorwürfen des Stimmenkaufs bei der Internationalen Walfangkommission (IWC) durch die japanische Regierung präsentiert. Die Zeitung enthüllte, dass Japan die Stimmen von Delegierten anderer Länder "gekauft" hatte – durch Bereitstellen von Flügen, Unterkunft, Taschengeld, und sogar sexuellen Dienstleistungen. Diese Gerüchte gab es seit Jahren, unterstützt durch die öffentlichen Aussagen eines früheren dominikanischen Regierungschefs, der wegen dieser Angelegenheit zurücktrat. Die Reportage der Zeitung war also wenig überraschend, aber dennoch schockierend.

Diese Woche haben sowohl die BBC als auch die Sunday Times die Geschichte weiterverfolgt und ausführliche Interviews mit einem neuen Informanten von Greenpeace geführt. Dieser hat vertrauliche Informationen über die in Hinterzimmern verhandelten Deals, die Japan mit afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten geschlossen hat.

Da Island durch die Beantragung der EU-Mitgliedschaft unter Druck steht, den Walfang zu stoppen, wird die Liste der Verbündeten Japans immer kürzer. Die japanische Position ist wieder einmal unter Beschuss geraten und wieder einmal droht Japan aus der IWC auszutreten. Dies wird jedoch die Probleme der japanischen Regierung im eigenen Land nicht lösen. Die Rechnung für die japanischen SteuerzahlerInnen wird immer länger: Stimmenkauf für die IWC, unterschlagenes Walfleisch, hohe Subventionen für das Walfangprogramm.
Wenn man berücksichtigt, dass Japan hoch verschuldet ist, und die neue Regierung versprochen hat, verschwenderische Ausgaben zu kürzen, ist das ein klarer Bruch des Wahlkampfversprechens. Wie zum Hohn werden immer noch Wale getötet.

Es ist Zeit, dass die Regierungen gemeinsam die Lücken im Moratorium für den kommerziellen Walfang von 1986 schließen und den Walfang im Schutzgebiet Südpolarmeer für immer beenden. Es ist Zeit für die japanische Regierung, die finanzielle und politische Unterstützung für die Walfang-Industrie zu beenden, die Korruption im Walfangprogramm, die schon mehrfach aufgedeckt wurde, endlich ernsthaft zu untersuchen und schließlich auch die Menschrechtsverletzungen, die begangen werden um diese zu vertuschen, zu stoppen.