Wow. Erst ein paar Tage sind verstrichen seit wir die Kampagne gestartet haben, mit der wir den weltgrößten Jeans Hersteller Levi’s auffordern seine Produkte und deren Herstellungsprozess zu entgiften, und schon beginnt Levi’s Entschlossenheit auszufransen.

Passiert ist all das nur dank eurer Hilfe: Mehr als 100.000 Menschen haben sich bereits der Kampagne für giftfreie Mode angeschlossen und der Hersteller hat diesen Wink mit dem Zaunpfahl bestimmt verstanden.

Einknicken unter dem Druck

Einige Stunden nachdem wir unsere Kampagne gestartet haben hat Levi’s mit einem Blog geantwortet, der nur als verteidigend eingestuft werden kann. Er beschreibt in großer Detailgenauigkeit Levi’s derzeitige Initiativen und bekräftigt wiederholt, dass die Mengen an gefährlichen Chemikalien, die in ihren Waren festgestellt wurden, nicht als gesundheitsschädlich für ihre Träger bekannt sind (" … not known to constitute any direct health risk to the wearers" Levi’s). Er weißt auf die Notwendigkeit von gemeinschaftlichen Aktionen hin und bezeichnet die Angelegenheit als "komplex".

24 Stunden später, zeitgleich als in Kopenhagen Aktivisten einen vertikalen Catwalk neben einem ihrer Geschäfte aufführten, machte das Levi’s Team erstmals eine rasche Veröffentlichung, die wies wie ein individueller Aktionsplan ausschaut und die etwas genauer beschreibt wie Levi’s möglicherweise von einem Toxic Zero zu einem Detox Hero werden könnte.

Als erster Versuch war das gar nicht schlecht. Für die Millionen von Menschen, die jeden Tag von der Verschmutzung betroffen sind, die die Produktion von Levi’s berühmter 501s verursacht, ist das allerdings einfach nicht gut genug.

Eine der Greenpeace Aktivisten, die gestern den vertikalen Catwalk, gegenüber des Levi’s Geschäfts im größten Einkaufszentrum Kopenhagens, in Dänemark, hinauf stolziert sind.

© Christian Åslund / Greenpeace

Zuschauen und lernen

Wenn Levi’s wissen will wie man ein glaubwürdiges und ambitioniertes Bekenntnis zum Entgiften abgibt, dann sollte der Konzern vielleicht einen genaueren Blick auf seine Konkurrenz werfen. Erst heute hat die Modemarke Esprit ein individuelles Bekenntis zum Entgiften seiner Zulieferungsketten und seiner Produkte bis 2020 abgegeben. Teil dieses Bekenntnisses der Hong-Konger Einzelhandelskette war ein Versprechen bis 2013 Daten zum Schadstoffausstoß von 30 Zulieferern in China zu veröffentlichen und bis 2014 ganz auf PFCs (eine Gruppe besonders gefährlicher Chemikalien) zu verzichten. Esprit schließt sich damit dem größten Textilhändler Zara, des spanischen Modehändlers Mango (die sich diese Woche ebenfalls verpflichtet haben) und Marks and Spencer darin an, glaubwürdige und ambitionierte Aktionen zur Entgiftung zu starten.

Zusammen werden diese vier Marken bis 2013 Zulieferer-Informationen von über 150 Anlagen veröffentlichen: Das ist der Beginn einer echten Transparenz-Revolution im Mode Sektor.

Wodurch sich Levi’s falsches Bekenntnis verrät

In Verhältnis dazu wirkt das gestrige Bekenntnis von Levi’s wie eine überstürzte Reaktion auf eine eskalierende Situation. Während das Unternehmen bis jetzt stets darauf hingewiesen hat, dass gemeinschaftliche Aktionen die einzige Lösung wären und es für mehr als sechs Monate verweigert hat, darüber zu sprechen, wie es möglicherweise ein glaubwürdiges individuelles Bekenntnis und einen Aktionsplan erstellen könnte (diese Position blieb unverändert bis Mittwoch), hat es am Donnerstag plötzlich einen ersten Versuch gemacht.

Das Problem ist, dass in der Erklärung und im Aktionsplan jegliche Ambitionen fehlen. Die Maßnahmen des Unternehmens wirken als würde es lediglich versuchen, sich mit möglichst geringem Aufwand aus der Affäre zu ziehen, um dann, sobald es wieder aus dem Scheinwerferlicht ist, ihr schmutziges, verschmutzendes Geschäft so weiter zu führen wie bisher. Das ist nicht das, was man sich von einem Unternehmen erwartet, das sich selber als "führend" bezeichnet.

Schlimmer noch, das Unternehmen hat bewußt viele Formulierungen ausgelassen (die von anderen führenden Marken aber angegeben wurden), die notwendig gewesen wären, damit die Menschen auf die von Levi's versprochenen Vorsätze vertrauen können. So z.B. akzeptiert die Marke immer noch nicht, dass Menschen, die in der Nähe der Produktionsanlagen ihrer Zulieferer wohnen, ein Recht darauf haben, zu erfahren welche Chemikalien in ihre Flüsse geleitet werden. Damit ist Levi‘s jedoch nicht nur nicht führend im Bereich des Umweltschutzes, sondern ignoriert die Menschenrechte von Millionen von Menschen und das obwohl ZARA, Mango, M&S und Esprit daran arbeitet diesen Zustand zu ändern.

Schlussendlich scheint Levi’s immer noch darauf hinzuarbeiten mit den gefährlichen Chemikalien besser umzugehen anstatt diese aus der Produktion zu entfernen, während andere führende Marken eingeräumt haben, dass es einfach keine für die Umwelt sicheren Methode für die Verwendung von giftigen, hormonell wirksamen und krebserregenden Chemikalien gibt.

Es ist Zeit für Levi’s auf Worte Taten folgen zu lassen

Levi’s (und ihre Werbeabteilung) hat eindeutig ein Händchen für Floskeln und Formulierungen. "Go Forth" (Geh voran) ist ihr Werbespruch. "Be a pioneer" (Sei ein Pionier) sagen sie uns. "Apathy is death" (Gleichgültigkeit ist tödlich) warnen sie uns.

Inspirierende Worte! Das Problem jedoch ist, dass man, wenn man sich ein Image als größter Jeans-Hersteller weltweit auf so hochfliegenden Verkündungen aufbaut, bereit sein sollte diesen auch selber zu folgen.

Denn sonst bleiben es nur leere Worte - und wir haben vielfache Beweise dafür, wie der Report "Exposing the textile industry’s role in polluting Mexico’s rivers" und anderswo, dass leere Worte nicht ausreichen.

Der Moment ist perfekt

Das einzig Wichtige was uns die aktuellsten "Aktionen" von Levi’s mitteilen ist, dass die Marke verstanden hat, dass sie auf die weltweit immer lauter werdenden Ruf nach Mode ohne Gift hören muss.

Unsere Kampaigner sind willens und bereit mit dem Unternehmen zu besprechen wie man ihr leeres Bekenntnis in etwas verwandeln kann auf das Levi’s und seine Kunden stolz sein können.
Jetzt ist es an der Zeit um dem Unternehmen verständlich zu machen, dass wir Levi’s als einen Vorreiter in der "Modeentgiftung" wollen und nicht als einen Green-Washer. Wir wollen Taten sehen, die den schönen Worten gerecht werden. Wir wollen Transparenz und keine weiteren "Leichen im Keller".

Über 100.000 Menschen haben sich uns bereits angeschlossen. Lasst uns diesen Impuls nutzen und Levi’s 501 tausend Gründe zum Entgiften geben.