Junge Stimmen im Plenarsaal – gehört am 4. November im Parlament. Da wo sonst die Nationalratsabgeordneten sitzen, haben sich Jugendliche von verschiedenen Schulen eingefunden. Abgeordnete sind aber auch anwesend, die Umweltsprecher der Parlamentsparteien. Sie beantworten Fragen der Schüler über die Klimapolitik.

Unterschiede zwischen Jugendlichen und Abgeordneten? Zum Beispiel im Schnitt 25 Jahre Altersunterschied. Das bedeutet, dass die Jungen, im Gegensatz zu den jetzt 50jährigen, die Auswirkungen des Klimawandels mit großer Wahrscheinlichkeit am eigenen Leib erfahren werden. Auch sonst ist der Kontrast deutlich: auf die klaren und direkten Fragen der Jugendlichen kommen von den PolitikerInnen in vielen Fällen schwammige und ausweichende Antworten.

Der ÖVP-Abgeordnete Hermann Schultes beeindruckt zum Beispiel durch lange Ausführungen, ohne Konkretes zu sagen. Er wird selber an den Klima-Verhandlungen in Kopenhagen teilnehmen, und sagt, dass er sich nicht traut, ohne Ergebnis seiner Tochter unter die Augen zu treten. Welches Ergebnis die Verhandlungen aber bringen sollen, will er aber trotz wiederholter Nachfrage nicht sagen, denn Österreichs Verhandlungsposition bleibt geheim. Etwas mehr Klarheit der Jugend gegenüber wäre aber sehr angebracht, denn es geht ja um ihre Zukunft.

Bunt treibt es auch FPÖ-Umweltsprecher Norbert Hofer. Am Vortag sagte er, es sei ein „Wahnsinn, wenn zusätzlich zur ohnehin üppigen Entwicklungshilfe bis zu 35 Milliarden Euro von den europäischen Steuerzahlern pro Jahr zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern bereitgestellt werden sollen.“ Dabei sind es freilich nicht die Entwicklungsländer, die den Klimawandel verursachen. Aber sie sind es, die als erste mit den Folgen konfrontiert werden. Wird sich dann die FPÖ auch für großzügige Flüchtlingshilfe stark machen? Wird Abgeordneter Hofer sein Haus für „weggeschwemmte“ Menschen aus Bangladesh öffnen? Wohl kaum.

BZÖ-Abgeordneter Lugar punktet hingegen mit Halbwissen: bei den Klimaauswirkungen durch Fleischkonsum kommt er inhaltlich leicht ins Wanken, wie er auch sonst bei Zahlen und Fakten nicht ganz fest im Sattel sitzt. Immerhin hat er sich schon einmal einen Toyota Prius angeschaut, diesen allerdings dann nicht gekauft.

Die Enttäuschung kommt am Ende: nachdem die Abgeordneten zwei Stunden lang ausgerufen haben, wie wichtig der Klimaschutz ist, wollen die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ einer 40%igen Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 nicht zustimmen „weil es auf EU-Ebene anders ausgemacht ist“. Was sie aber nicht sagen: Österreich hält nichts davon ab, mehr zu tun. Das Land ist aufgrund seiner Klimapolitik in den letzten Jahren massiv abgerutscht, und steht EU-weit an drittletzter Stelle. Doch anscheinend wird sich daran in der nächsten Zeit nichts ändern. Denn wenn die Verhandlungsposition Österreichs für Kopenhagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen Wirtschaftsverbänden und einigen Ministerien ausgedealt wird, kann man daraus nur schließen, dass Österreich weiterhin Bremser bleiben wird. Doch das haben sich die Jugendlichen im Parlament sicher nicht erwartet und schon gar nicht verdient.

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Jurrien Westerhof