Letzte Woche gab es erstmals Besuch und das war eine gute Gelegenheit sich eine Woche frei zu nehmen und nach Kerala zu fahren. Kerala ist der indische Bundesstaat ganz im Südwesten des Landes. Sehr schöne Gegend mit viel Landschaft und Küste. Und weil ich im letzten Blog beschrieben hab, warum wir das spannende Gujarat nicht als Modellstaat für die Entwicklung erneuerbarer Energie in Betracht ziehen können, setze ich heute mit Kerala fort.

Auch Kerala haben wir ausgeschlossen, aber aus ganz anderen Gründen. Kerala ist der Musterstaat in Indien. Die dort meist regierende Kommunistische Partei Indiens gilt als kaum korrupt und hat eine weitgehend vorbildliche soziale Politik gemacht. Kerala hat heute die höchste Lebenserwartung, die geringste Säuglingssterblichkeit, die höchste Alphabetisierungsrate (gerade auch bei Frauen) etc. In Kerala kommen Mädchen und Buben im genau internationalen Verhältnis zur Welt. Das systematische Abtreiben weiblicher Föten - die verbotene aber verbreitete pränatale Geschlechtsbestimmung ist in großen Teilen des Landes üblich - findet hier nicht statt. Alles in allem steht Kerala gut da. Ökologisch ist zwar nicht alles eitle Wonne, aber im Vergleich zum Rest des Landes doch überdurchschnittlich.

Trotzdem können wir Kerala nicht als möglichen Modellstaat in Betracht ziehen. Der Hauptgrund: Kerala steht so gut da, dass niemand an die Übertragbarkeit glaubt und daher Politiken, die dort erfolgreich sind nicht landesweit kopiert werden. Was extrem schade ist, weil eigentlich sollten sich andere Regierungen hier die niedrigste Säuglingssterblichkeit, die höchste Alphabetisierung etc. zum Vorbild nehmen. Da aber diese Vorbildwirkung nicht gegeben ist mussten wir Kerala leider ausscheiden. Was nicht zuletzt auch deshalb schade ist, da es mich der Gelegenheit beraubt öfters mal an diese schöne Küste zu fahren.

Lieben Gruß, Bernhard