Am ersten Tag hat die Konferenz in Kopenhagen noch ein bisschen wie die bisherigen Konferenzen ausgeschaut. Seit gestern ist das anders. Unpackbare Menschenmengen quetschen sich durch die Gänge des Konferenzzentrums. Drückt die Blase, muss man sich beim Pissoir anstellen wie in der Halbzeitpause im Fußballstadion – was sich auf der Frauentoilette abspielt wag ich mir nicht vorzustellen (und fänds irgendwie deppat in der ganzen Hektik eine Kollegin zu fragen). An allen Ecken und Enden rennen Gruppen herum, machen Aktionen, verteilen Flugzettel und demonstrieren. Das ist zum einen super, weil es die Stimmung in Richtung Endspiel aufbaut und beeinflusst. Zum anderen fängt es leider auch an zu nerven. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendeine Delegierte oder ein Journalist plötzlich von der Wucht der so vorgebrachten Argumente („Klimawandel zerstört unsere Lebensgrundlage“ „Climate justice now!“und ähnliches) ernsthaft beeinflusst wird. Der Effekt ist eher eine Übersättigung und ich bemerks bei mir selber – ich will da nur durch und nimma angeredet werden.

Tja, und wie reagieren die Veranstalter darauf? Hauptsächlich mit Nervosität. Gestern haben Chinesische Greenpeace Jugendliche Klimamasken im Stile der Chinesischen Oper verteilt. Sehr hübsche Dinger die mit zwei Gesichtern die zwei Gesichter der Verhandlungen (positives Reden – negatives Handeln) symbolisieren. Heute haben wir große Probleme deswegen, da Vermummungen verboten sind und alle immer ihr Gesicht zeigen müssen, damit die Security kontrollieren kann, ob man wirklich die Person auf dem Foto der Akkreditierung ist.

Und schlimmer noch – jetzt wird ernsthaft diskutiert für die letzten Tage der Verhandlungen nächste Woche die NGOs auszusperren. Natürlich weil zu viele Leute da sind und zu wenig Platz und Sicherheit. Aber irgendwie glauben wir das nicht. Gerade unsere Erfahrungen von gestern, mit Österreich am Klimapranger, zeigen, wie wichtig es ist, dass NGOs das Geschehen im Detail verfolgen können. Es zeigt aber auch wie unangenehm es für die sein kann, die was zum Verstecken haben.

Bernhard Obermayr