Am 22. Juni entschied Richter Martin Feldman aus dem US-Bundesstaat Louisiana, dass der jetzige Stopp für Ölbohrungen im Golf von Mexiko aufgehoben werden soll. Denn, so begründete er seine Entscheidung, auch wenn BP Fehler macht, ist damit noch nicht bewiesen, dass Tiefseebohrungen per definitionem problematisch sind.

Was aber interessant ist: Richter Feldman, 1983 vom damaligen Präsidenten Reagan ernannt, besitzt für viele zehntausende Dollar Aktien von verschiedenen Firmen, die in Ölbohrungen und Ölförderung involviert sind. Bis vor kurzem besaß er sogar Aktien von Transocean – jener Firma, die im Auftrag von BP die vor Wochen versunkene Ölplattform Deepwater Horizon betrieb. Eine Ausnahme ist Feldman damit nicht: mehr als die Hälfte der Richter in den jetzt betroffenen Bundesstaaten ist finanziell in die Ölindustrie verwickelt.

Die Kontrolleure der Ölindustrie arbeiteten früher für Ölfirmen, die Beamten in den Ministerien kommen aus der Ölindustrie, die Sicherheitsrichtlinien werden gemeinsam mit der Ölindustrie aufgestellt, und mit Präsident Bush saß die Ölindustrie sogar im Weißen Haus. Und dass die Richter Aktionäre der Ölindustrie sind, bestätigt nur noch das Sittenbild.

In so einer Situation sind Katastrophen vorprogrammiert. Es ist nicht zu erwarten, dass viele Lehren daraus gezogen werden. Schon bei der nächsten Ölpest fängt alles wieder von vorne an.

Jurrien Westerhof, Greenpeace Energieexperte