Und einmal mehr geht es los, diesmal jedoch in verschiedene Richtungen:

Seit dem letzten Blogbeitrag ist schon einiges passiert, das meiste davon hatte allerdings wenig mit dem Schiff selbst zu tun: Busan und auch Südkorea wurden tatsächlich schon nach 3 Tagen nach dem Tsunami und dem verheerenden Erdbeben in Japan wieder verlassen - um zumindest einige Kilometer aus Sicherheitsgründen einzuhalten. Viel weiter als bis nach Taiwan sollte es aber vorerst nicht gehen.  Denn die Rainbow-Warrior inklusive ihrer Besatzung waren die letzten Wochen in Keelung, also vor Anker,  um Entscheidungen abzuwarten.
Der ursprüngliche Plan mit einer Fahrt in Richtung Singapur war nach wie vor am Leben, allerdings schon sehr am Wanken, denn eine weitere Möglichkeit stand plötzlich zur Debatte: Eine Tour durch Südasien um gegen Nukleare Energien und gegen Atomkraft zu protestieren!


Nach langer Zeit des Grübelns und hin und her Überlegens legte die Rainbow Warrior 2 dann am 21.4. doch in Richtung Japan ab.Und damit schiebt sie ihre eigene Pension noch weiter nach hinten – denn eigentlich sollte die Tour nach Südostasien ja die letzte Ausfahrt werden.  Aber bei so einem aktuellen wichtigen Thema wie Atomkraft, lässt es sich nicht so einfach aufhören.


Diese Entscheidung war aber nicht ganz einfach zu treffen: Nachdem die Fahrt nach Norden und damit Japan nicht ganz frei von zusätzlichen Risikos ist, wurde jedem Besatzungsmitglied die Option frei gestellt das Schiff zu verlassen. Diese Möglichkeit wurde von einigen der Mitglieder, wie auch von mir, dankbar wahrgenommen, auch wenn ich nun mit gemischten Gefühlen von Bord gehe. Einerseits schwingt immer das Gefühl mit die übrige Besatzung im Stich zu lassen, auf der anderen Seite beruhigen die Leute die an Bord bleiben immer wieder: „Es braucht mehr Mut zu gehen als einfach hier zu bleiben und niemand muss ein schlechtes Gewissen haben.“  Immerhin ist das Risiko nicht ganz unerheblich…


Was alle Leute an Bord verbindet,  ist die Bereitschaft ein Risiko einzugehen wenn er/sie dadurch etwas bewirken kann. Wenn es darum geht ein Zodiac (= Greenpeace-Motorboot) zwischen einen Fischer und Wale zu bringen, wird niemand zögern,  eine unsichtbare Gefahr jedoch, die unmöglich einzuschätzen ist, stellt wieder völlig neue Maßstäbe. Und dass das Unterfangen nicht ungefährlich ist, zeigen schon die Vorbereitungen: Alle Luke wurden verschweißt um den Luftaustausch mit der Außenwelt minimal zu halten, neue Luftfilter wurden installiert und selbst Schlüssellöcher mit Harz verklebt, um so wenige Fremdkörper wie möglich ins Innere des Schiffes gelangen zu lassen. Außerdem wurden Geigerzähler und spezielle Schutzanzüge an Bord gebracht, Vorkehrungen die schon nicht mehr nach typischer Greenpeace-Aktion, sondern nach einem größeren Projekt aussehen.
Das genaue Reiseziel der Rainbow-Warrior steht noch nicht ganz fest. Klar ist, dass die Reise so weit südlich wie möglich beginnen soll und danach langsam nach Norden fortgesetzt werden soll. Wenn die Pläne wie ursprünglich verkündet durchgeführt werden, so wird die Warrior wohl in wenigen Wochen vor dem zerstörten Kraftwerk Fukushima sein und dort im Freiwasser Untersuchungen der Strahlung unter Wasser durchführen.
Was man bei allen Teilerfolgen im Kraftwerk nicht vergessen darf: All das Kühlwasser das abgeleitet wird kommt ins Meer und all die Radioaktiven Partikel müssen irgendwo bleiben! Und diese Gebiete sind beziehungsweise waren stark frequentiert von Fischern und bildeten eine wichtige Quelle für die proteinreiche Nahrung vieler Japaner. Die Folgen der Katastrophe sind also in mehrerlei Hinsicht nachhaltiger als im ersten Moment vielleicht gedacht.

Während ich selbst nun schon wieder sicher in Europa angekommen bin und die Nachricht lese, dass „mein“ Schiff nach Norden segelt wünsche ich der Crew und den Forschern an Bord alles erdenklich Gute! Und nicht nur den Mitarbeitern, auch allen Betroffenen in Japan und allen die vor Ort sind um zu helfen!

Weitere Informationen könnt ihr hier lesen.


Manuel