15. Mai 2008 – genau zwei Jahre ist es nun her, seit meine beiden japanischen Kollegen, Junichi Sato und Toru Suzuki, ihre Enthüllungen über organisierte Unterschlagung und Korruption in der japanischen Walfang-industrie auf einer Pressekonferenz in Tokyo veröffentlichten.

Keiner von uns hat damals geahnt, dass ihre Recherchen nur die Spitze des Eisberges zutage gefördert hatten und die Korruption in der Walfangindustrie noch tiefer reicht. Und niemand von uns hätte damals gedacht, dass Junichi und Toru für ihre akribische  Aufdecker-Recherche mit der ganzen Härte des japanischen Rechtssystems konfrontiert werden würden. Nicht nur der UN-Menschenrechtsrat hat inzwischen eindeutig festgestellt, dass Junichi und Toru von den japanischen Behörden ein politisch motivierter Prozess gemacht wird und ihre Menschrechte dabei schwerwiegend verletzt werden. Am Ende ihres Gerichtsprozesses drohen ihnen 10 Jahre Haft.

Viel ist passiert seit dem 15. Mai 2008. Für Junichi und Toru eine unvorstellbar harte Zeit: Razzien und Beschlagnahmungen im Greenpeace-Büro in Tokyo und zuhause, ein Monat Untersuchungshaft, stundenlange Verhöre, Freilassung gegen Kaution und Hausarrest, Berufsverbot, Umgangssperre mit allen Greenpeace-Kollegen weltweit … Besonders perfide empfinde ich das bis heute bedingungslos gültige Kommunikationsverbot zwischen Junichi und Toru – ohne die Anwesenheit eines Anwaltes dürfen sie nicht miteinander reden. Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte – so auch das Foto, das am Wochenende entstand: Es zeigt Junichi und Toru am Fenster ihres Hotels in Aomori, wo sie am Freitag erneut vor Gericht standen. Gemeinsam im Kampf für Gerechtigkeit und für einen besseren Schutz der Wale – und doch hat jeder für sich die Konsequenzen zu tragen. Meine Hochachtung vor dem Mut und der Kraft der beiden lässt sich in einem geschriebenen Weblog wie diesem nicht annähernd ausdrücken: Wie viel mehr kann man für seine Überzeugung – für den Schutz der Wale einzutreten – aufs Spiel setzen, als seine Freiheit?

Junichi und Toru haben den Walfang in Japan vor Gericht gestellt. Greenpeace in aller Welt hat in den letzten zwei Jahren mit vollem Einsatz gekämpft, um Junichi und Toru dabei zu helfen ihr Ziel zu erreichen: den Walfang endgültig stoppen!

Und was machen eigentlich die, die wirklich etwas verändern könnten: die Regierungen weltweit? Haben auch sie alles in ihrer Macht stehende getan? Angesichts des gerade vorgelegten Vorschlages der Internationalen Walfangkommission, den Walfang auch Japan offiziell wieder zu erlauben, drängt sich mir nur eine Antwort auf: nicht genug!

Und was hat Österreich bis jetzt getan um sicherzustellen, dass Junichis und Torus Rechte eingehalten werden und dafür zu sorgen, dass der Walfang endlich für immer beendet wird? Bei weitem: nicht genug!

Antje Helms, Meeresexpertin