600 people participate in a human banner message on Kuta beach in Bali, Indonesia organised by NGOs including Greenpeace and Global Green with aerial artist John Quigley.

 

Anfang der Woche hatte ich die Gelegenheit vor SchülerInnen von mehreren Schulen Südindiens über die politische Diskussion des Klimawandels zu referieren. Eine Gruppe engagierter SchülerInnen hat gemeinsam mit Greenpeace ein Zwei-Tages-Symposium organisiert. An sich wenig aufregendes. Halbwüchsige SchülerInnen sind in Indien auch nicht viel anders als in Österreich. Eine kleine Gruppe war sehr interessiert und diskussionsfreudig. Der größere Teil zwar nicht uninteressiert, aber mit den Gedanken eher bei den bevorstehenden Examen, den Cricketländermatch zwischen Indien und Neuseeland oder beim anderen (bzw. gleichen) Geschlecht. Niemand war aber destruktiv.

Den Unterschied machte ein nicht-indischer Schüler. Nasheed kommt von den Malediven und war einer der Mitorganisatoren der Veranstaltung. Und auch wenn man alles über die Auswirkungen des Klimawandels weiß: ein 17jähriger von den Malediven, der weiß, dass es seine Heimat zu seinen Lebzeiten einfach nicht mehr geben wird, ändert so eine Veranstaltung dramatisch. Dabei hat er nicht mal was besonders Emotionales gemacht oder gesagt sondern nur nüchtern die Situation der Malediven geschildert und ansonsten recht schlaue Fragen gestellt. Zumindest verstehen wird er, warum es seine Heimat nicht mehr geben wird. Und er wird sich engagieren, hier bei Greenpeace Indien.

Das ist irgendwie bezeichnend für die Situation der Malediven. Zwei Dinge haben das Land klimapolitisch in letzter Zeit spannend gemacht: einerseits hat der Ministerpräsident einen offiziellen Brief an Indien geschickt und um Land angefragt. Sein Argument, die Malediven würden gerne als Gesellschaft überleben und brauchen daher – eher bald – eine neue geografische Heimat möglichst in der Nähe der alten, bald versunkenen. Indien hat es bislang nicht der Mühe Wert gefunden zu antworten. Zeigt auch die Sandwichposition Indiens. Zum einen ist man ganz klar ein stark betroffenes Land und hat vergleichsweise wenig Verantwortung für den Klimawandel. Zum anderen ist man im Vergleich zu kleineren und weniger entwickelten Ländern schon in einer verantwortlichen Position. Auch Indien verurteilt mit seiner Politik die Malediven zum Untergang.

Letzte Woche haben sie zum zweiten Mal für Aufmerksamkeit gesorgt. Sie haben angekündigt das erste völlig CO2 freie Land der Welt zu werden. Und zwar werden sie ihre Energieversorgung zu 100% auf Erneuerbare umstellen und auch für die Emissionen aus dem Flugverkehr (Tourismus!) in der EU Zertifikate ankaufen. Das Programm kostet 1,1 Mrd. Dollar, bei einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von ungefähr der gleichen Größe. Das wäre ungefähr so als ob Österreich 370 Mrd. Dollar in den Klimaschutz investieren würde.

Jedenfalls tun die Malediven alles, was sie noch können, um sich selbst zu retten. Sie wissen genauso wie Nasheed, daß man trotz aller üblen Aussicht alles tun muss was man irgendwie tun kann.

Nasheed als Greenpeace-Aktivist und sein Land mit umfassenden Investitionen in den Klimaschutz.

Liebe Grüße, Bernhard