Heute Morgen haben wir Osaka verlassen und sind auf dem Weg nach Yonezawa etwa 100 Kilometer nordwestlich von Fukushima. Den gestrigen Tag haben wir damit verbracht, die nächsten Tage zu planen, die letzten Einkäufe zu machen, alle Teammitglieder über die Risiken aufzuklären, die Geräte zu testen und die Wagen mit den zahlreichen Gegenständen für unsere Expedition zu packen.

Gestern Abend hatten wir ein sehr aufschlussreiches Erlebnis. Jan van de Putte, Markel (unser spanischer Fotograf) und ich sind abends in einem kleinen japanischen Restaurant essen gegangen. Da wir wohl etwas hilflos vor der Karte saßen, die unsere Japanisch Kenntnisse überforderte, holte der Kellner eine Frau. Sie sprach sehr gut Englisch, Französisch und Deutsch.

Sie half uns bei der Auswahl und erkundigte sich dann was wir denn in Japan machen würden. Ich erklärte es ihr, worauf sie etwas distanzierter fragte, ob wir für die Atomindustrie arbeiten würden. Ich sagte wir arbeiten für Greenpeace. Sie drehte sich auf dem Absatz um und war verschwunden.

Zuerst dachte ich, sie wäre nicht gut auf Greenpeace zu sprechen, dann aber kam die Frau mit ihrem Handy wieder und zeigte uns einen Report über den Greenpeace-Einsatz mit Fotos von den Messungen, und fragte uns ob wir das wären. Da wir Jan dabei hatten, der auch im Artikel zitiert wurde, wurde sie ganz euphorisch und wir wurden zu ihr und ihrer Freundin an den Tisch eingeladen und mussten genau erklären was wir machen.

Der Wirt wurde hinzugeholt und über uns aufgeklärt, woraufhin er eine traditionelle Gitarre von der Wand holte und uns vorspielte und vorsang. Wir wurden später sehr herzlich mit den Worten verabschiedet: “Kämpft für Japan!”

Die Frau, etwa um die 50 Jahre alt, Professorin für klassische deutsche Musik der Romantik an der Universität Osaka. Sie könnte wohl auch die typische Unterstützerin von Greenpeace in Deutschland sein. Aus dem Gespräch wurde klar, dass es kein Vertrauen in die Regierung und in Tepco gibt.

Das Gespräch hätte so auch in einer Kneipe in Köln stattfinden können, was die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen betrifft. Also für mich eine Korrektur des Bildes des distanzierten eher verschlossenen Japaners.

Sayõnara,
Thomas