Sitze im Nachtzug nach Bonn und reise der zweiten Woche Klimazwischenverhandlungen entgegen. Nach dem Riesenhype um Kopenhagen und dem noch größeren Kater danach sind die UN-Klimaverhandlungen wieder im Alltag angekommen. Kein großer Wurf wird erwartet, kaum öffentliche Aufmerksamkeit, dafür viele Debatten über Details des recht komplexen (zukünftigen) globalen Klimavertrages. Nach dem pompösen Scheitern in Kopenhagen ist diese „Normalität“ ganz ok um die Verhandlungen wieder auf Schiene zu bringen. Empörend ist es aber trotzdem, dass wir von Meeting zu Meeting kaum echte Fortschritte machen.

Die Verhandlungen haben vor einer Woche begonnen und werden noch bis Samstag dauern. Eigentlich hätten planmäßig – jeden Juni trifft man sich in Bonn für diese eher technischen Gespräche – diese Woche beginnen und 2 Wochen dauern sollen. Den Veranstaltern war aber rasch klar, dass solch ein globales Treffen parallel zur Fußball-WM nicht möglich ist. Wie soll etwa über Waldschutz verhandelt werden, wenn Brasilien spielt… Daher eine Woche früherer Beginn. Das ging sich bei mir leider nicht aus, dafür muss Karine – meine französische Kollegin – diese Woche in Paris sein und wir teilen uns die Zuständigkeiten. Anyway, in der ersten Woche hat sich doch ein wenig was getan. Klingt nicht spektakulär, aber man hat sich auf einen neuen Verhandlungstext geeinigt und hat damit die Basis für intensivere Gespräche gelegt. Und bei meinem Lieblingsthema „ Lulucf“ (Land Use, Land-Use Change and Forestry) als den Waldschlupflöchern – wie können sich die reichen Länder durch diverse Tricks mit ihren eigenen Wäldern ihre elendigliche Klimabilanz schönrechnen – tut sich einiges. Leider wenig erfreuliches. Hier geht es in die heiße Phase. Die Berechnungsmethoden sind noch immer fragwürdig und stehen einem effektiven Klimaschutz entgegen. Aber leider dazu wahrscheinlich mehr im Laufe der nächsten Woche.

Heute früh geht’s direkt vom Bahnhof zum Konferenzzentrum zum Kaltstart in die zweite Verhandlungswoche.

Bernhard Obermayr