Die Einzelhändler der Sonnencremen haben, mit der Ausnahme von dm, auf unseren Protest bis jetzt entweder nicht reagiert oder in Stellungnahmen versucht das Problem vom Tisch zu wischen. Dabei bedienen sie sich Studien, die es wert sind sie genau zu lesen.

Greenpeace tritt dafür ein, dass kein Nano - Titandioxid mehr in Sonnencremen benützt wird. Also haben wir den 7 großen Verkäufern in Österreich einen Brief geschrieben und Aktivistinnen haben das gemeinsam mit uns getan (und es braucht noch viel mehr Druck).

Die ersten Reaktionen von Spar, Rewe, Hofer, Müller und Schlecker sind mehr als enttäuschend. Ihre Antworten gehen schlicht und ergreifend an der Frage vorbei. Das und warum DM die löbliche Ausnahme ist, lesen sie hier .

Wirklich tragisch ist aber, dass ihre Verteidigung der falschen Frage eine Farce ist, wenn man sie sich mal genauer anschaut. Und genau dafür ist Greenpeace ja auch da.

Da bekommen wir 5 Publikationen präsentiert, die die Argumentation von Greenpeace wiederlegen sollen. 4 davon bestätigen, dass Nano - Titandioxid nicht durch die (normale) Haut geht. Schön, nur haben wir das Gegenteil auch nie behauptet. Die fünfte Publikation, die einzige, die sich auch mit gesundheitlichen Aspekten beschäftigt ist jene von Nohynek et al. Wenn man dann nachliest, für wen Dr. Gerhard Nohynek gearbeitet hat, als er diese Publikation machte bekommt man folgende Adresse: L’OREAL R&D; 25–29, quai Aulagnier; FR–92600 Asnières (France).

Greenpeace fordert mehr Geld für unabhängige Risikoforschung

Dann wird eine Untersuchung der Amerikanischen Federal Drug Administration angeführt, die Nano - Titandioxid direkt in Ratten injiziert hat und dann attestierte, dass keine gesundheitlichen Auswirkungen zu bemerken waren. Also sind Tiere für den Profit von Konzernen wieder mal gequält und getötet worden.

Im Ergebnisteil dieser Untersuchung steht auch zu lesen:
"TiO2 levels were retained in the liver for 28 days, there was a slight decrease in TiO2 levels from day 1 to days 14 and 28 in the spleen, and a return to control levels by day 14 in the lung and kidney. There were no changes in the cytokines and enzymes measured in blood samples, indicating that there was no detectable inflammatory response or organ toxicity. Overall, rats exposed to TiO2 nanoparticles by a route that allows immediate systemic availability showed expected tissue distribution, no obvious toxic health effects, no immune response, and no change in organ function.”

Mit anderen Worten: nach 28 Tagen fand sich Nano-Titandioxid in der Leber und in der Milz. Und nach 28 Tagen wurde der Versuch abgebrochen. Zu dem Zeitpunkt konnte weder im Blut noch in den Organen Anzeichen für Schäden gefunden werden.

Greenpeace macht sich große Sorgen über die Langzeitwirkungen von Nanomaterialien, die in den Körper eingedrungen sind.

Dann wird auch noch die Unbedenklichkeitserklärung des deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung angeführt. Die kommt zu dem Schluss: "Aus den aktuellen Untersuchungen an dermatomisierter Schweinehaut mit nanotechnologisch hergestellten physikalischen UV-Filtersubstanzen ZnO und TiO2 in den angegebenen Standardformulierungen lassen sich keine gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher ableiten."

ZnO ist mittlerweile als Filter für UV Strahlung in Sonnencremen von der EU gar nicht mehr zugelassen.

Verwiesen wird dann auch noch auf die Australische Regierung. Sowohl NGOs wie auch die Regierung haben sich auf Grund der größeren Betroffenheit in Australien intensiver mit dem Thema Nanotechnologie und Sonnencremen auseinandergesetzt.

In einer (von vielen) Stellungnahme heißt es dort auch: "Despite the TGA’s stance, existing research does not comprehensively ensure the safety of all ENPs in sunscreens, particularly ENPs less than 40 nm in size applied long term to human skin that is immature, aged, diseased, damaged, hairy or covering flexural creases."

Greenpeace hätte das auch nicht anders formulieren können.

Zum Abschluss sei noch bemerkt, dass wir selbstverständlich den Einzelhändlern zu Beginn ein Dokument übermittelt haben: 20 Seiten mit Zitaten aus kritischen Stellungnahmen und Forschungsergebnissen mit bedenklichen Resultaten.

Die Zitate zum Nachlesen

http://www.bfr.bund.de/cm/206/69_und_70_sitzung_der_vorlaeufigen_kommission_
fuer_kosmetische_mittel.pdf

http://www.tga.gov.au/npmeds/sunscreen-zotd.htm

Sadrieh et al. (2010) Toxicol. Sci. 115 (1): 156-166
Adachi et al. (2010) Nanotoxicology 4 (3):  296-306
Filipe et al. (2009) Skin Pharmacol. Physiol. 22: 266–275
Nohynek, et al. (2008) Skin Pharmacol. Physiol. 21: 136–149
Cross et al. (2007) Skin Pharmacol. Physiol. 20: 148–154
Tissue distribution and toxicity of intravenously administered titanium dioxide nanoparticles in rats; Toxicokinetics and Metabolism; 2008