Liebes Tagebuch: Das war gestern der schönste Tag in meinem Klimakonferenzleben…..

War gestern wirklich ein Tag, wo es mir, als inzwischen schon ein bisschen erfahrener Greenpeace Klimaverhandler, warm ums Herz geworden ist. Man muss sich das vorstellen. Österreich wird am ersten Tag der größten Klimakonferenz aller Zeiten von 450 NGOs von allen Kontinenten und aus allen Bereichen explizit an den Pranger gestellt. Bekannte und schreckliche Klimasünder wie Kanada oder Saudi-Arabien haben bei der Abstimmung gegen Österreich (gemeinsam mit Schweden und Finnland) völlig abgestunken. Der Welt ist klar – Österreich ist eines der allerschlimmsten Länder in diesen Verhandlungen. Natürlich ist das in erster Linie traurig und zum Schämen. Wenn man aber seit Jahren auf exakt diesen Punkt hinweist und sich abmüht und auf einmal wird das an derartig prominenter Stelle – 1. Tag! – anerkannt und unterstrichen, dann freut das immens.

Kurz zur Sache selber. Es gibt nichts zu beschönigen. Österreich hat im Klimaschutz national versagt. Es gibt aber noch viel weniger zu beschönigen, wenn man mitbekommt, was Österreich auf internationaler und EU Ebene tut. Österreich versucht das bestehende Waldanrechnungsabkommen mit dem lustigen Namen „LuLucF“ (Land use, Land use change and Forestry) so zu verschlechtern, dass ein riesengroßes Schlupfloch für alle Industriestaaten entsteht. Die EU Kommission selbst hat das Ausmaß mit bis zu 9%punkte für alle Industriestaaten geschätzt. D.h. ein globales Reduktionsziel der Industrieländer von z.B. 40%, wie wir es fordern, wäre dann im schlechtesten Fall grad noch 31% wert. D.h. das CO2 ist in der Atmosphäre, aber nicht in der Bilanz, jedoch niemand ist dafür verantwortlich und muss was tun.

Ich hab das gestern in Gesprächen mit JournalistInnen als „Klimabilanzfälschung“ bezeichnet. Heut in der Früh ist es mir gedämmert, dass das nicht ganz korrekt ist. Eigentlich will Österreich Regeln schaffen, die kreative Klimabilanzführung erlauben. Das ist viel schlimmer. Wir stehen dann da wie die Lehmann Brothers, die bis zuletzt schneeweiße Bücher hatten und im Crash gelandet sind. Nur dieser Klimacrash, den Österreich zumindest in Kauf nimmt, verbrennt nicht nur Milliarden an Steuergeldern, sondern tötet Millionen Menschen und zerstört den Lebensraum von vielen, vielen mehr. Weiße Bücher – dreckiges Klima. Genau das gilt es hier zu verhindern und da gibt's einfach nichts zu beschönigen. +

Bernhard Obermayr