Die regierende Kongresspartei hat sofort reagiert und die Oscar-Flut für Slumdog Millionaire als Zeichen für den Erfolg ihrer Regierung verkauft. Indien jubelt. Alle Schlagzeilen gehören der Oscar-Nacht. Weg sind - zumindest kurzfristig - die kritischen Stimmen bezüglich des Indienbildes und das es "Westler" braucht, damit ein Film über Indien zum globalen Erfolg wird.Slumdog Millionaire ist jetzt endgültig ein indischer Film.

Natürlich ist Slumdog Millionaire genauso ein indischer Film wie er es nicht ist. Das macht auch den eigentlichen und langfristigen Erfolg des Films aus (cineastisch wird der Film nicht in die Geschichte eingehen, obwohl er gut und unterhaltsam ist). Mit Oscars werden nicht unbedingt die besten Filme ausgezeichnet, sondern Filme, die irgendwie in die Zeit passen. Vor ein paar Jahren hätte wahrscheinlich dieselbe Auswahl Gus van Sants "Milk", über das Leben des '78 ermordeten schwulen Politikers Harvey Milk gewonnen. Da war es richtig Themen wie Homosexuellenrechte im Mainstream zu verankern. Mit Slumdog Millionaire wird nicht globale Armut als Thema aufgenommen, sondern vielmehr der kreative Schub und der eigene Stil, der vom indischen Kino ausgeht, gewürdigt. So war auch eine der großen Schlagzeilen heute, dass die Oscar-Nacht eine Bollywood Party war. Und das wird langfristig wahrscheinlich bleiben. Indischer Stil ist damit endgültig im Mainstream des Nordens angekommen und das ist für ein Land, das stark auf die Entwicklung seines Dienstleistungssektors setzt, auf alle Fälle ein Grund zum Feiern.

Lieben Gruß, Bernhard