...die Schlagzeile in allen Medien und das wichtigste Thema gestern im Büro. Aber in Indien ist keine Spur von Obamamania. Klar, die Hoffnungen, dass die USA aus der Abscheulichkeit der Bush-Jahre ausbrechen kann und zumindest in ein paar Belangen eine positive Rolle spielen wird ist auch im indischen Diskurs zu spüren. Im Greenpeace Büro sowieso. Die Hoffnungen auf Fortschritte in der Klimapolitik liegen nun mal bei den USA. Das ist für mich als Europäer schon beschämend, aber der EU traut hier niemand eine echte Führungsrolle in der Klimafrage zu. Klar wird gesehen und anerkannt, dass es in Europa ein paar Bemühungen gibt, aber die Enttäuschung über die jahrelangen Versprechen und das einfach nicht liefern sind atemberaubend groß. Da traut man den USA irgendwie mehr. Die USA wären eher fähig zu liefern, wenn sie wollen, und da liegt die Hoffnung. Wenn Obama Klima als Thema aufgreift, dann wird eher und rascher was passieren als in Europa und es gäbe vielleicht sogar so was wie "global leadership" in Kampf gegen den Klimawandel. Nur, dass Obama die all zu hochfliegenden Erwartungen nur enttäuschen kann, ist auch allen klar.

Das offizielle Indien tut sich da schwerer. Die InderInnen, die US-Präsidentenwahlen interessieren können bzw. sie mitbekommen, mögen Obama genauso wie überall auf der Welt. Drei Viertel der Indian-Americans haben für Obama gestimmt. Der Faktor, dass ein Farbiger US-Präsident wird, ist schon ein Riesenthema hier. Gleichzeitig hat Indien mit Bush ganz gut gelebt. Gerade der jüngste Nuklear Deal wäre mit Obama schwieriger gewesen, wenn nicht gar unmöglich. Dazu kommen unklare Aussagen zu Kaschmir und eine erwartete Annäherung an China. Und so wird befürchtet, dass Obama Indien die Bush'sche Vorzugsbehandlung entziehen könnte.

Aber auch wirtschaftspolitisch gibts Ängste. Obama ist im Wahlkampf mit klaren Ansagen gegen das Outsourcen von Arbeitsplätzen angetreten. "He doesn´t want the shitty jobs going to India. He wants the Americans to do the shitty jobs themselve." kommentiert Gene, einer meiner Kollegen hier, Obamas Wirtschaftspolitik. Aber niemand hier glaubt ernsthaft, dass die Amerikaner die nach Asien outgesourcten "shitty jobs" zurück haben wollen. Zu teuer für die KonsumentInnen und solche Jobs will dort ohnehin niemand. An die hochqualifizierten IT-Arbeitsplätze, die gerade in meiner neuen Heimatstadt Bangalore geschaffen wurden denkt in dieser Betrachtung niemand. Dafür ist das indische Selbstbewusstsein zu weit entwickelt. Diesen Qualifikationsvorsprung kann Indien niemand mehr wer streitig machen. Und dieses hochqualifizierte Indien ist längst Teil der globalen Gesellschaft, das mit großer Begeisterung die Wahlen in den USA verfolgt hat und über den "historischen Moment" genauso gejubelt haben wie überall sonst auf der Welt.