Letzte Woche überraschte uns "Rio Mare"-Tunfischdosen-Hersteller Bolton mit einer Presseaussendung zum neuen ökologischen Engagement der Firma. "Qualität mit Verantwortung" heißt der neue Werbeslogan des italienischen Tunfischgiganten.  Was auf den ersten Blick für Konsumenten – und Greenpeace – in Boltons "umfangreichem Nachhaltigkeitsprogramm" als gute Neuigkeiten anmutet, entpuppt sich leider bei näherem Hinsehen als zweideutig: Im besten Fall nichtssagend, im schlechtesten Fall Greenwashing  (eine geschickte PR-Maßnahme, um einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen).

Wir werfen also einen zweiten Blick auf das Presse-Statement von Bolton Austria:

Ab Ende März 2012 würden in Österreich auch Rio Mare-Tunfischdosen aus nachhaltiger Angelfischerei in den Supermarktregalen liegen. Prima, meint Greenpeace dazu - endlich eine Alternative zum bisher einzigen Angebot dieser Art des Mitbewerbers Vier Diamanten!

Bis 2017 wolle Bolton den "Umstieg auf 100 Prozent nachhaltig gefangen Tunfisch vollziehen". Leider ziemlich schwammig formuliert, findet Greenpeace – welche nachhaltigen Fischereimethoden sind denn damit konkret gemeint? Rio Mare bleibt uns und seinen Kunden in seiner Pressemitteilung und auch sonst eine eindeutige Antwort darauf leider schuldig.

Wir fragten also letzte Woche bei Bolton konkret nach: Bekennt sich die Firma eindeutig dazu, bis 2017 auf den Einsatz von Fischsammlern zu verzichten und  ab dann nur noch Tunfisch aus Angelfischerei oder Ringwadenfischerei ohne Fischsammler beziehen? So wie Princes (Vier Diamanten) und John West beide 2011 versprochen haben, die Greenpeace-Forderung zu erfüllen und bis Ende 2014 bzw. 2016 nur noch Tunfisch zu verkaufen, der 100% aus Angelfischerei ("Pole & Line") oder Fischsammler-freier Ringwadenfischerei stammt (wie John West unlängst klargestellt hat, gilt dies gilt übrigens auch für das Sortiment in Österreich)? Diese eindeutige Verpflichtung, meint Greenpeace, sollte auch Bolton abgeben, wenn sich die Firma wirklich zu nachhaltigem Tunfisch bekennen möchte.

Leider äußerte sich Bolton bisher dazu nicht. Wir haben – offen gesagt – den Verdacht, Bolton versuche hier durch geschicktes Formulieren eine Hintertür offen zu halten, um bestimmte ertragreiche Fangmethoden in Zukunft nicht ganz ausschließen zu müssen.

Leider werden unsere Bedenken beim Nachlesen im Englischen Original-Pressestatement nicht zerstreut, so schreibt Bolton: "Boltons Ziel ist es, den Konsumenten Tunfisch zu servieren, gefischt mit den besten nachhaltigen Methoden der Industrie. Die Firma arbeitet daran, auf 100% nachhaltigen Tunfisch bis 2017 umzusteigen, als eine natürliche Entwicklung des früheres Zieles von 45% bis 2013, wie im Nachhaltigkeitsreport vom April 2011 formuliert."  Im erwähnten Report gelobt Bolton in der Tat, "bis 2013 den Anteil von Tunfisch aus nachhaltigen Fangmethoden wie Pole & Line, Fischsammler-frei und freischwimmende Tunfischschulen, auf 45 Prozent zu erhöhen." Aber ist das 2017-Ziel nun wirklich die "natürliche Entwicklung" des konkreteren 2013-Zieles, wie von Bolton beschrieben, oder werden hier nur geschickt Zusammenhänge formuliert und damit Greenwashing betrieben?

Greenpeace setzt sich für nachhaltige Fischerei auf der ganzen Welt ein. Seit Jahren kämpfen wir insbesondere gegen die Plünderung der Südsee, wo 70 Prozent des Tunfisches gefangen wird. Die Greenpeace-Forderung an Tunfischdosen-Hersteller auf der ganzen Welt: Raus der zerstörerischen Fischereimethoden wie Fischsammler - die Unmengen Beifang wie Haie, Meeresschildkröten und Jungfisch überfischter Tunfischarten töten! Umsteigen auf Angelfischerei oder den Fang von freischwimmenden Tunfischschwärmen!

Unsere Frage an Bolton sei hier also in aller Öffentlichkeit noch einmal gestellt: Bekennt sich Ihre Firma eindeutig dazu, ab 2017 nur noch Tunfisch aus Angelfischerei oder Ringwadenfischerei ohne den Einsatz von Fischsammlern zu beziehen?

Bolton, wir bitten um eine eindeutige Klarstellung.