Die Rainbow Warrior läuft in Rio de Janeiro ein.

Genau 20 Jahre nach dem Erdgipfel in Rio, der als Meilenstein in der internationalen Umweltpolitik gefeiert wurde, beginnt am 20. Juni die Folgekonferenz Rio+20.

Martin Kaiser, Greenpeace Deutschland,  berichtet in der Blogreihe Rio+20 täglich von dem politischen Ringen und twittert von der Konferenz. Wir geben seinen Blog hier weiter.


Gestern ist die Rainbow Warrior in Rio angekommen. In der Morgendämmerung segelte sie am Zuckerhut vorbei und legte in der Nähe vom Peoples Summit an. Viele Menschen kamen an Bord und haben sich das Prachtschiff angesehen. Sie knüpfen große Hoffnungen an Greenpeace hier in Brasilien. Der Kapitän erzählt mir, dass sie bei der Anfahrt auf Rio an mehreren Ölplattformen vorbei gekommen sind. Das Bohren nach Öl ist eines der größten Umweltsünden des Landes.
So wie in Brasilien drängen immer mehr Öl- und Rohstoff-Unternehmen in die hohe See vor, um dort Bausteine für unseren nicht-nachhaltigen Lebenstil zu gewinnen. Aber nicht nur das: Immer größere, industrielle Fischereiflotten plündern die noch verbliebenen Fischbestände in einer Weise, die die Ernährung von Millionen von Menschen zunehmend gefährdet. Nicht umsonst hat der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon deshalb die Rettung der Meere zum Schwerpunkt des Biodiversitätsjahres gemacht.

Unsere Meere sind leergefischt.

Ein Rettungsplan für die Weltmeere

Auch Greenpeace fordert 20 Jahre nach dem Rio-Gipfel einen Rettungsplan für die Weltmeere. Kernstück soll der Auftakt für einen Schutzgebietsplan durch die Regierungschefs sein. Sowohl die EU als auch Brasilien haben heute deutlich gemacht, dass sie dies als wichtiges Ergebnis sehen wollen. Diesen Worten müssen nun Taten folgen: Deutschland und die EU müssen sicherstellen, dass diese Streitfrage mit den USA, Japan, Russland und anderen Ländern bei den Vorverhandlungen nicht mit einem faulen Kompromiss in der Versenkung verschwindet!

EU-Regierungen vertagen wichtige Reformen

In diesem Jahr beschließt die EU ihre Maßnahmen für die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP). Damit sollen die Überkapazitäten der industrieller Flotten, die für die Überfischung der Meere und für Armut und Hunger in Westafrika mitverantwortlich sind, abgebaut werden. Trotz des Protestes von Greenpeace-Aktivisten in Luxemburg vertagten die zuständige Ministerin Ilse Aigner (CSU) und ihre EU-Amtskollegen wieder einmal konkrete Verbote und schlossen lediglich einen Minimalkompromiss. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Haushalte ist die Verschwendung umweltschädlicher Subventionen in Milliardenhöhe für den Aufbau dieser zerstörerischen Flotten völlig unbegreiflich. Weltweit sind die Kapazitäten der Fischereiflotten viel zu hoch. In Europa sind sie dreimal größer als nachhaltig wäre.

Warnende Beispiele vor der Küste

Vor vielen Jahrhunderten wurden die Buchten von Rio von Walen zur Geburt und Aufzucht ihrer Nachkommen genutzt. Das erzählte mir heute ein Einheimischer, der zu Besuch auf die Rainbow Warrior kam. Bereits vor 250 Jahren hatten sich die Menschen so ausgebreitet, dass die Wale nicht mehr kamen. Vielleicht ein warnendes Beispiel vor den Türen der Konferenz, dass wir Menschen nicht unendlich die natürlichen Grenzen überschreiten dürfen. Wir werden es nächsten Freitag wissen.


20 Jahre nach dem Erdgipfel in Rio ist vom damaligen Optimismus und Veränderungswillen nur noch wenig zu spüren. Einen Rückblick auf 1992 und worauf es jetzt ankommt, ist auf unserer Webseite nachzulesen. Mehr zum Thema Rio+20 und viele Hintergrundpapiere gibt es bei Greenpeace International.