Heute war es überraschend ruhig. Zum einen kommen erst morgen die MinisterInnen und auch die hochrangigen Obama Leute, zum anderen haben wir schon sehr viel des Programms erledigt. Jetzt nur keine falschen Klimahoffnungen: die Latte für Posnan lag so niedrig, dass ein "Überspringen" keine große Herausforderung bedeutet. Die Latte lud schon eher zum "Limbodancing" ein. Immerhin sind einige Prozessfragen in Richtung der entscheidenden Konferenz in Kopenhagen 2009 geklärt - viel mehr wollte hier scheinbar niemand. Einige strittige Punkte werden die MinisterInnen noch genauer unter die Lupe nehmen müssen, aber das sind nicht mehr so viele. Das Problem bei solchen Verhandlungsprozessen ist, dass sie einfach dauern. Sie dauern solange - das hab ich hier wirklich gelernt - nicht, weil die Verhandlungsparteien diese Zeit benötigen, sondern weil die Verhandlungsparteien soviel Zeit haben. Rein von der Logik her kann sich kaum jemand ernsthaft frühzeitig bewegen, daher wird alles Relevante bis zuletzt aufgeschoben. Hat man 1 Jahr Zeit, wird eben am 365ten Tag in der Nacht der Deal gemacht. Sind es noch 5 Jahre am 1.825ten Tag. So läuft es und es ist egal ob inzwischen der ganze Planet vor die Hunde geht.

Wie Verhandlungen praktisch ablaufen konnte ich heute Nachmittag wieder einmal live miterleben. Ich beobachtete eine Gruppe, die über die "Guidelines" für den "Global Environmental Fund" (GEF) verhandelte. Der GEF wird seit Jahren von Seiten der Entwicklungsländer heftig kritisiert. Grundsätzlich soll er Umweltprojekte "im Süden" finanzieren. Das tut er auch, aber zu sehr großer Unzufriedenheit der Entwicklungsländer und der gesamten Zivilgesellschaft. Der Fund gelobt laufend Besserung und die Industrieländer freut das. Zeile um Zeile wurde gefeilscht und eine Lösung scheiterte unter anderen an Fragen, ob der GEF gewisse Anstrengungen "verstärken soll" oder "fortfahren soll sie zu verstärken". Klingt kindisch, ist aber tatsächlich wichtig. Einigung gab es keine und so müssen sich die MinisterInnen damit herumschlagen. Aber, auch wenn das schwer verständlich ist, es ist auch ein wichtiger Bestandteil der Greenpeace Arbeit und es macht sogar Spaß. Zumindest manchen von uns.