Samosas sind ein sehr feiner Snack für Zwischendurch (kurze Mittagspause) oder durchaus eine kleine vollwertige Mahlzeit. Die gibt's da überall, sind zumeist vegetarisch und werden mit rohen Zwiebeln und scharfen Chillisaucen gegessen. Auffällig an den Samosas sind ihre exorbitanten Preisunterschiede. Obwohl im Kern genau dasselbe kosten sie an der Straßenecke und in kleinen Lokalen 4 Rupien, beim Bäcker 8 Rupien und in "westlichen" Lokalen 40 Rupien aufwärts. Trotzdem essen viele InderInnen Samosas um 40 Rupien, obwohl es sie nebenan um ein Zehntel gibt. Es geht dabei nicht um Verträglichkeit oder Hygiene. Hab selber keinerlei Verdauungsprobleme bei den Straßensamosas bekommen und bin nicht besonders widerstandsfähig was exotische Keime betrifft. Es geht vielmehr um die soziale Differenzierung. Wer reich ist lebt westlich und macht vielleicht mal einen kurzen Abstecher in das andere Indien, bleibt aber lieber im klimatisierten Lokal mit den teuren Samosas.

Die Einkommensunterschiede sehen entsprechend aus. Diese Woche war eine Debatte in den Medien über die Armutsgrenze. In Städten wird sie inzwischen bei rund 500 Rupien (entsprechend der Stadt) angenommen, am Land eher rund um 300. 500 Rupien sind umgerechnet ca. 8 Euro und auch wenn hier einiges billiger ist, damit kommt man nicht weit. Ein Bier kostet im Geschäft 65 Rupien, ein Gemüseeinkauf in einem Laden (siehe Bild) 100, ein Monat Internet 2.222 und Miete für eine Wohnung bewegt sich nach Lage und Größe zwischen 15- und 30.000. Trotzdem ist es scheinbar möglich mit 500 Rupien im Monat in einer Indischen Stadt gerade nicht arm zu sein. Entsprechend schaut es dann auch aus: gleich neben dem Greenpeace Büro ist eine Baustelle. In dieser Baustelle wohnt eine ganze Familie. Abends sieht man sie kochen. Morgens sind sie bereits weg. Das ist bei weitem kein Einzelfall und die dürften es eher überdurchschnittlich unter den unterdurchschnittlich versorgten EinwohnerInnen erwischt haben.

Wir sind in unserer Arbeit bei Greenpeace damit jeden Tag konfrontiert - nicht nur durch die Nachbarn in der Baustelle. So gibt es hier etwa eine aufkommende sozialpolitische Debatte über die Stromabschaltungen. Während die besseren Viertel so ein bis zwei Stunden täglich ihre "Power Cuts" haben trifft's die Suburbs inzwischen bis zu 6 Stunden am Tag. Mit den "Power Cuts" wird jetzt jede Form des Kraftwerksbaus begründet. Mehr Kohle, natürlich auch gern Wind oder Solar und stark kommend Atom. Indien braucht mehr Energie. Das beweisen die armen Suburbs, die 6 Stunden am Tag keinen Strom haben und tausende Dörfer, die völlig abgeschnitten sind. Schaut man sich's genauer an sieht man aber, dass der Großteil der so zusätzlich geschaffenen Kapazität in die besseren Viertel der Großstädte fließt und nicht in die Verbesserung der Lebensbedingungen der Armen. Greenpeace nennt das hier "Hiding behind the poor" (http://www.greenpeace.org/india/press/reports/hiding-behind-the-poor) und macht sich damit nicht nur Freunde hier. Vor allem nicht bei denen, die ihre Samosas um 40 Rupien konsumieren.