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Ein weiteres Beispiel, warum Ölbohrungen in der Arktis eine sehr schlechte Idee sind, zeigt der Unfall des Shell Bohrschiffes "Kulluk", das vor der Insel Sitkalidak in der Nähe von Kodiak in Alaska auf Grund gelaufen ist. Die überaltete Bohranlage wurde nach einer sehr erfolglosen Bohrsaison im Sommer zurück in den Hafen geschleppt, wo sie in ernste Schwierigkeiten geriet und auf die Felsenküste geschlagen ist.

Am vergangenen Donnerstag wurde die Kulluk vom neuen 200 Millionen Dollar Shell-Schleppschiff Aiviq aus der Arktis zurückgeschleppt. Auf der Fahrt stießen die Schiffe in der Bering See auf schwere See. Ein gut 120 Meter langes Schlepptau war gerissen und das Bohrschiff trieb auf die Küste zu. Am Freitag konnte die Aiviq das Bohrschiff wieder "einfangen", doch das Schleppschiff hatte kurz darauf 50 Seemeilen südlich von Kodiak Island "verschiedene Motorschäden". Daraufhin trieb das Bohrschiff wieder unkontrolliert bei knapp 11 Metern Seegang und Windstärken bis über 100 km/h auf dem Wasser.

Am Samstag wurde die Crew der Kulluk von einem Hubschrauber der US Coast Guard vom Bohrschiff geholt und es wurden Ankerleinen ins Wasser gelassen um die Drift zur Küste zu verlangsamen. Am Sonntag wurden die Taue wieder befestigt, brachen danach aber erneut. Vermutlich am Montag Morgen konnte die Aiviq 19 Meilen vor der Küste wieder eine Leinen-Verbindung zur Kulluk herstellen und die Fahrt Richtung Port Hobron in Alaska fortsetzen. Montag Nacht dann rissen die Taue ca. 4 Meilen vor Küste erneut und das Bohrschiff lief kurz danach auf Grund.

Die Kulluk hat über 500.000 Liter Diesel und rund 45.000 Liter Hydrauliköl an Bord, doch bis jetzt ist kein ausgeflossenes Öl beobachtet werden. Trotzdem warnte ein offizieller Sprecher: "Wir wissen noch nichts über mögliche Schäden. Es ist zu dunkel. Das Wetter ist grauenhaft." Shell und die US Coast Guard arbeiten zwar an nächsten Schritten, sind aber durch "extreme Wetterbedingungen und hoher See" stark eingeschränkt.

Wir kennen leider die Auswirkungen einer Ölkatastrophen in Alaska schon sehr gut. 1998 krachte die Exxon Valdez auf das Blief Riff und hunderttausende Liter Öl wurden in den Prince William Sund gespült, bedeckten eine riesige Meeresfläche und die Küste mit einer dicken Schicht Rohöl und töteten Tausende von Vögeln, Seeottern, Seehunden und Orcas. Auch heute noch leidet die Region an den Folgen der Katastophe.

Leider ist Art von Unfällen bei Shell nicht neu. Seine Versuche nach Öl in der eisigen Tschuktschen See und der Beaufort See zu bohren haben immer wieder Unfälle und Pannen mit sich gezogen: von gestrandeten Bohrschiffen zu brennenden Motoren, von erfolglosen Sicherheitsinspektionen und den wichtigsten Geräten, die "wie eine Bierdose zerquetscht" werden, Shell's Versuche Öl in der Arktis zu finden schlingern von einer teueren und verantwortungslosen Farce in die nächste.   

Der Konzern behauptet ein "world class" Arktis Programm vor Ort zu haben, um mit Unfällen umgehen zu können. Doch die Kulluk auf Grund laufen zu lassen ist ein weiteres Beispiel dafür wie unfähig Shell für einen sicheren Betrieb in einem der weltweit entferntesten und extremsten Umgebung ist. Wäre die unberührte Natur des eisigen Nordens nicht dadurch in Gefahr wäre es fast komisch. So aber ist es tragisch.  

Statt der Öffnung des hohen Nordens für die Ölfirmen müssen wir diesen fragilen Ort vor der rücksichtslosen Industrialisierung schützen. Kommen Sie mit und schützen wir gemeinsam die Arktis!