Nicholas Stern oder auch sei einigen Jahren Lord Stern, gehört zur neuen "Gattung" der Klima-Promis. Klima-Promis sind Menschen, die der Kampf gegen den Klimawandel berühmt gemacht hat. Diese Gattung wird in den nächsten Jahren rasant wachsen. Nicholas Stern ist einer der sich seinen Ruhm aber auch wirklich verdient hat. Er war hoch angesehener Ökonom und Berater der britischen Regierung, bis er vor 2 Jahren, im Auftrag selbiger, den berühmten Stern Review veröffentlich hat. Dieser Review ist rasch zum Standardwerk zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels geworden. Die Kernaussage ist, dass der Kampf gegen den Klimawandel rund 2% des globalen Bruttosozialproduktes kosten wird. Das ist viel, aber ganz leicht leistbar. Ein Nichthandeln hingegen wird ökonomisch ein Vielfaches dessen kosten und unabsehbare soziale Auswirkungen haben.

Nicholas Stern hat im Laufe seiner akademischen Karriere auch 14 Monate in Bangalore unterrichtet und entsprechend gute Kontakte in die Stadt. So kam es, dass er diese Woche für ein Seminar zur Klimapolitik des hiesigen Bundesstaates Karnataka verfügbar war. Als Greenpeace waren wir auch geladen und die Gelegenheit, sich mal Stern live anzuhören wollte ich mir als Ökonom nicht entgehen lassen. Stern selber war eher enttäuschend. Zu sehr musste er taktisch in Richtung der Regierungsvertreter Karnatakas spielen. Er hat die Gelegenheit klar genützt, um die Idee eines Klimavorreiters Karnataka in den Köpfen dieser Vertreter zu verankern. Ob es etwas genützt hat werden wir sehen. Passt uns aber ausgezeichnet ins Programm. Greenpeace kommt von der anderen Seite und hat begonnen, in Bangalore mit der hier sehr einflussreichen IT-Industrie zusammen zu arbeiten. Das Ziel ist das gleiche: Einen Indischen Vorreiter in Sachen Klima zu schaffen.

Spannend war von Seiten Sterns aber die sehr klare und ernst gemeinte Verknüpfung der zwei großen Themen des 21. Jahrhunderts Klimawandel und globale Armutsbekämpfung. Seine Kernthese: Wenn wir bei einem der beiden scheitern, dann scheitern wir bei beiden. Armutsbekämpfung ist unmöglich wenn der Klimawandel voranschreitet und Stabilisierung des Weltklimas ist politisch unmöglich wenn es keine gleichzeitige Perspektive auf Armutsbekämpfung im Süden gibt. Wer auch immer das eine vom anderen trennen will gibt beide auf.