Die letzten beiden Jahre waren diese UN-Klimaverhandlungen ein hektisches Treiben mit großer Anspannung und öffentlichem sowie politischen Druck. Nichts davon ist heuer hier in Bonn zu spüren. Der Kollaps von Kopenhagen hat zu einem vorsichtigen, recht höflichen, aber in der Sache belanglosen Miteinander geführt. Alle warten darauf, dass irgendwer einen neuen Push in die Verhandlungen bringt. Im Kern warten alle darauf, dass die EU endlich zu sich kommt und beweist, dass sie es ernst mit dem Klimaschutz meint. Die USA hat hier ein jeder vorerst aufgegeben. Obama sucht jemanden, den er wegen der Ölpest in den Hintern treten kann – raft sich aber nicht dazu auf seine demokratischen Parteifreunde in den Allerwertesten zu treten um endlich ein brauchbares Gesetz zu verabschieden.

In der EU hingegen hat die Kommission vor kurzem eine Abschätzung veröffentlicht, die zeigt, dass es noch nie so einfach und günstig war die CO2 Reduktionsziele zu erhöhen. Die EU hat sich auf 20% bis 2020 geeinigt – deutlich unter dem was sie machen müssen, um den Klimawandel in kontrollierbaren Bahnen zu halten. Eine Erhöhung des Zieles auf 30% wäre relativ leicht machbar und könnte den Verhandlungen neuen Schwung verleihen – aber nix da. So ein Schritt wird von relevanten Ländern und auch Österreich blockiert.

Die Erhöhung des Reduktionsziels ist zwar möglich, gar nicht so teuer und würde der  EU langfristige Wettbewerbsvorteile im Kampf um die Zukunftstechnologien im Bereich Erneuerbarer Energien und Effizienz bringen aber…. dreimal dürft ihr raten: auch in Bonn befindet sich eine große Delegation von Lobbyisten der Öl, Kohle und ähnlich schmutziger Industrien und leistet intensive Überzeugungsarbeit. Mit dabei in der Delegation auch der Chef von BP Deutschland. BP bringt also jedes Leben im Golf von Mexiko um, hat jede Sicherheitsvorkehrung gebrochen, versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen und hat die Frechheit sich auch noch bei Klimaverhandlungen blicken zu lassen. Aber das wirklich Unerhörte ist, dass die wesentlichen Entscheidungsträger in der EU lieber auf diese Verbrecher als auf die Klimawissenschaft hören, die sie seit Jahren beknieen, endlich ernst mit dem Klimaschutz zu machen.

Bernhard Obermayr