In Kuverts an Entscheidungsträger in Washington finden sich nicht nur Argumente gegen Handelsbarrieren, sondern auch Wahlkampfspenden.

 

Das Chlorhuhn wurde zum Symbol gegen das geplante Handels- und Investitionsabkommen zwischen EU und USA (TTIP). Es steht für die unterschiedlichen Produktionsbedingungen von Lebensmitteln auf den beiden Seiten des Atlantiks. Während in den USA Salmonellen und andere Keime erst im Chlorbad abgetötet werden, verfolgen wir in Europa die Philosophie, Geflügel in der ganzen Produktionskette von Salmonellen freizuhalten. Ein Import von billig produzierten Hühnern aus den USA würde viele Betriebe in der EU mit vergleichsweise hohen Standards in ihrer Existenz bedrohen. Denn die Praxis des Chlor-Bades ermöglicht eine noch viel grausamere Haltung der Hühner, als in Europa derzeit üblich.

Doch die Chlorhuhn Lobby macht Druck, wie ein von Greenpeace veröffentlichter Brief des "National Chicken Councils" offen legt. Darin kritisieren die Lobbyisten die Haltung der EU zum "Chlorhuhn" scharf. Der mächtige Fleischverband macht ordentlich Druck auf die Verhandler der USA: Sie werden TTIP nicht unterstützen, wenn nicht alle "nichttarifären Handelshemmnisse" (dazu gehört auch das Verbot der Chlorbehandlung) ausgeräumt werden.

 

Die Drohung ist vor allem Richtung Kongress gerichtet, der wie das Europäische Parlament das letzte Wort beim Freihandelsabkommen hat. In den Kuverts, die die Chlorhuhn Lobby an Entscheidungsträger in Washington schickt, finden sich nicht nur Argumente gegen Handelsbarrieren, sondern auch Geld.

Auszüge aus dem Brief des "National Chicken Councils"

 

Allein für die Wahlkämpfe von Abgeordneten im Jahr 2014 hat das National Chicken Council bereits 138,500 Dollar verteilt. 85 Prozent davon an Republikaner, die im Kongress über eine satte Mehrheit verfügen. 44 Abgeordnete im Kongress werden derzeit großzügig unterstützt.

 

Ob sich die 1,382,599 Dollar, die die Chlorhuhnlobby seit 2004 in Wahlkämpfe von Politikern investierte, rentiert haben, wird sich erst am Ende der Verhandlungen zeigen. Bis dahin wird hinter verschlossenen Türen an Kompromissen gefeilt.  Die Gefahr ist groß, dass die EU hier gegenüber den USA Zugeständnisse macht. Wie das Nachrichtenmagazin Profil berichtet, soll das Importverbot fallen.

 

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