Gesicherte Gentechnik-Pollen

Stellen Sie sich vor, Sie stolpern über einen Ölteppich, um den man sich sofort kümmern sollte, um erhebliche ökologische Folgen zu verhindern. Doch die Behörden reagieren nicht auf Ihren Appell. Sie fühlen sich vollkommen verloren, denn Sie merken, dass sich niemand für dieses Desaster zu interessieren scheint. Was tun Sie? Nehmen Sie die Dinge selbst in die Hand und versuchen Sie, die Ölkatastrophe aufzuhalten?

Ja, in der Tat: Sie betreten privaten Grund und drehen dort den Ölhahn zu. Sobald dies geschehen ist, schalten sich die Behörden auf einmal ein. Der Grundbesitzer wird verurteilt, weil er absichtlich die Verschmutzung verursacht hat. Die Anwohner unterstützen Sie in Ihren Bestrebungen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Der Grund wird beschlagnahmt, um weitere Katastrophen zu verhindern und die Behörden fangen damit an, die ökologischen Auswirkungen der Verschmutzung zu untersuchen.

AktivistInnen aus Italien, Ungarn und Österreich sind bei der Aktion vor Ort.

Das Problem ist also gelöst, richtig?

Nicht wirklich. Es fängt gerade erst an.

Bei dem Grundstück handelt es sich in Wirklichkeit um ein Maisfeld und bei dem Öl um illegal angebauten Genmais (MON810), der sich durch Pollenflug verbreitet und somit konventionelle Felder und die umliegende Natur kontaminiert hat. 
2010 besetzten Greenpeace AktivistInnen aus Italien, Österreich, Deutschland und Ungarn im Friaul in Norditalien Felder mit illegal angebautem genmanipuliertem Mais. Die AktivistInnen, in Schutzanzüge verpackt, um sich vor einer Kontaminierung zu schützen, isolierten, schnitten und sicherten die Blütenstände ab. 

„Wir hatten beschlossen Greenpeace Italien darin zu unterstützen, da Pollenflug von gentechnisch veränderten Pflanzen an unseren Grenzen nicht Halt machen würde“, erinnert sich Hanna Schwarz von Greenpeace Österreich, damals als Aktivistin vor Ort. Greenpeace Ungarn hatte ebenfalls beschlossen, an der Aktion teilzunehmen, um Druck auf die ungarische Regierung ausüben zu können. Das Gentech-Anbauverbot, das dort besteht, wird nämlich von multinationalen Saatgutkonzernen immer wieder bedroht. Die AktivistInnen hofften auf eine starke Reaktion der italienischen Behörden, die die ungarische Regierung dazu ermuntern würde, sich dem zunehmenden Druck der Agrarindustrie entschlossen entgegenzustellen.

Die Greenpeace Aktion zielte darauf ab, eine Kontaminierung durch den vom Grundbesitzer unerlaubt und versteckt angebauten Genmais festzustellen. Weder regionale noch nationale Behörden unternahmen etwas, um den Genmais zu finden und die Kontaminierung aufzuhalten. Nachdem Anträge an alle verantwortlichen öffentlichen Stellen – regionale Behörden, das Ministerium für Landwirtschaft und sogar an den Präsidenten der italienischen Republik (in seiner Rolle als Hüter von Recht und Ordnung) – gestellt worden waren, fanden Greenpeace AktivistInnen selbst das illegale Maisfeld und besetzten das Feld.

Ein Schutzanzug ist notwendig.

Erst jetzt schalteten sich die nationalen und regionalen Stellen ein. Sie konfiszierten die Felder und veranlassten die Zerstörung des illegalen Maises. Der Besitzer erhielt eine Geldstrafe von €30.000. Die AnwohnerInnen, die Bauern und Bäuerinnen waren froh, dass ihre umliegenden Felder vor gentechnischer Verunreinigung wieder sicher waren. 

Die Geschichte nimmt hier aber noch kein Ende: 2011 wurde die Farm von den Behörden beschlagnahmt, um neuerliche illegale Aktivitäten zu verhindern. Die Klagen gegen einen Greenpeace Aktivisten wegen Eindringens und Besetzen der Felder wurden abgewiesen, mit der richterlichen Begründung, dass der Aktivist handeln musste, um eine Kontaminierung zu verhindern.

2012 wurde über Greenpeace Italien allerdings eine Geldstrafe von €86.250 verhängt, weil die AktivistInnen in das illegale Feld betreten hatten. Eine zweite Strafe könnte noch verhängt werden, weil die AktivistInnen mit illegalen Gentech-Mais hantiert hatten, um die Blütenstände zu isolieren und so zu sichern. Greenpeace Italien geht gerichtlich gegen die Strafen vor, denn wir sind davon überzeugt, dass die Partei, die die Umwelt bedroht, schuldig ist und nicht jene, die die Kontaminierung verhindert hat.

Greenpeace Italien wird während des Prozesses von Bauern und Bäuerinnen, Verbraucherorganisationen und Gleichgesinnten solidarisch unterstützt.

Heute ist der Internationale Tag der Biodiversität und wir haben eine Gewissheit: Umweltschutz kann einen teuer zu stehen kommen aber Greenpeace ist davon überzeugt, dass es das wert ist und wir werden weitermachen!

Federica Ferrario - Gentechnik Kampaignerin, Greenpeace Italien