Nicht noch ein Kopenhagen! Nach dem Desaster der UN-Klimakonferenz wurde allerorts befürchtet, dass auch die wichtigste Arten- und Naturschutzkonferenz, die Konferenz zur Biologischen Vielfalt („Convention on Biological Diversity“, kurz CBD), die in den letzten zwei Wochen in Nagoya/Japan stattfand, an den Eigeninteressen der verhandelnden Länder scheitern würde. Zudem wurde angezweifelt, ob multinationale Abkommen angesichts des Egotripps wichtiger Länder auf Kosten eines globalen Interesses überhaupt noch möglich sind. Als am letzten Wochenende die 10. CBD-Konferenz zu Ende ging, war allerdings der tosende Applaus der 2000 Delegierten der Beweis dafür, dass sich nahezu 200 Regierungen beim Thema Umweltschutz doch einigen können – wenn sie die nötige Kompromissbereitschaft mitbringen.

Eines des zuvor umstrittensten Thema der CBD zeugt davon. Beim sogenannten „Access and Benefit Sharing“ (kurz ABS) einigte man sich kurzerhand auf eine Ende der Biopiraterie: In Zukunft müssen Pharmakonzerne für die Nutzung von medizinisch wirksamen Urwaldpflanzen an die Länder Geld zahlen, deren genetische Ressourcen für die Herstellung von Medikamenten oder Kosmetika genutzt werden. Damit wird der Schutz von Urwäldern auch finanziell für Entwicklungsländer attraktiver. Abzuwarten ist allerdings, ob dabei die Rechte der lokalen und indigenen Bevölkerung respektiert werden.

Weiterhin wurde beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meere als Schutzgebiete ausgewiesen sein müssen. Ein 20-Punkte-Plan definiert genauer, welche konkreten nationalen und regionalen Ziele zum Schutz von Urwäldern und Meeren zu erfüllen sind. Für die Meere gilt es „ökologisch und biologisch sensible Gebiete“ (so genannte EBSAs) aufzulisten. Für Greenpeace besonders wichtig ist es, dass die Einrichtung großflächiger Meeresschutzgebiete auf der Hohen See beschleunigt werden soll. Dabei soll vor allem die Überfischung gestoppt werden. Einzig die Finanzierung der Schutzgebiete wurde verschoben und soll erst in zwei Jahren geregelt werden.

Auch wenn das Ergebnis hoffen lässt, bislang war die CBD mitnichten von Erfolg gekrönt: Das vor acht Jahren gesteckte Ziel, bis 2010 den Verlust der biologischer Vielfalt entscheidend zu stoppen und ein Schutzgebietsnetzwerk bis 2010 an Land und 2012 auf See einzurichten, wurde nicht einmal annähernd erreicht. Da half es auch nichts, 2010 zum „UN-Jahr der biologischen Vielfalt“ auszurufen: 80 Prozent unserer Fischbestände sind übernutzt, 90 Prozent der großen Raubfische verschwunden. Gerade einmal 1 Prozent der Meere weltweit sind als „Meeresschutzgebiete“ geschützt und Wissenschaftler warnen davor, dass viele Meeresökosysteme in den nächsten Jahren so genannte „tipping points“ erreichen – „unumkehrbar verloren“ droht damit beispielsweise unseren Korallenriffen. Nicht weniger gut steht es an Land: Kahlschläge roden alle zwei Sekunden ein Urwaldgebiet so groß wie ein Fussballfeld - vier Fünftel unserer Urwälder sind bereits für immer verschwunden.

Die CBD musste sich angesichts ihres Scheiterns also 2010 dringend neue Ziele stecken und obendrauf einen Finanzierungsplan auf die Beine stellen – mit der globalen Wirtschaftskrise im Nacken ein schwerer Brocken. Doch inzwischen hat sich wohl eine wichtige Erkenntnis herumgesprochen: Naturschutz zahlt sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch aus. Eine in Nagoya vorgestellte Studie zur Ökonomie der Ökosysteme und der Biodiversität (TEEB) zeigte dann auch, dass uns die Umweltzerstörung in Zukunft Milliarden kosten kann.

Das Ergebnis der CBD-Konferenz ist aus Greenpeace-Sicht nicht perfekt, schließlich werden weite Teile der Meere und Urwälder auch in Zukunft Gefahr laufen, überfischt oder gerodet zu werden. Offen bleibt auch, ob die CBD es diesmal schafft, die beschlossenen Ziele bis 2020 wirklich umzusetzen.

Greenpeace wird weiter dafür kämpfen, dass statt 10 Prozent mindestens 40 Prozent der Meeresfläche unter Schutz gestellt werden: diese Fläche ist nötig, um die verschiedensten Ökosysteme der Meere wirklich effektiv zu regenerieren und zu bewahren. Wie das konkret funktionieren kann, hat Greenpeace in einer umfassenden Studie allen 193 Ländern der CBD aufgezeigt.

Unterstütze unsere Meereskampagne und fordere mit uns Meeresschutzgebiete ein!

Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin