Montag, 26. März 2012

Der große "Climate March" in Copenhagen

 

Sodala – draußen auf den Straßen von Kopenhagen gibt es die größte Demonstration, die es in Dänemark je gegeben hat. 100.000 Menschen, die uns unterstützen und für ein faires, ambitioniertes und rechtlich bindendes Abkommen und für einen ernst gemeinten Klimaschutz demonstrieren. Ich sitze leider im Konferenzzentrum und verfolge die Verhandlungen. Da dreht sich grad alles im Kreis, daher gibt es Zeit, wieder zu berichten, was sich hier so tut.

Die Auseinandersetzungen zwischen den reichen Ländern und Entwicklungsländer, vor allem den besonders betroffenen kleinen Inselstaaten heizen sich extrem auf. Das spielt sich auf allen Ebenen ab und ist unglaublich bewegend. Da gibt es wirklich eine ganze Reihe von Ländern, deren Existenz inzwischen unbestritten auf dem Spiel steht und die wir ganz klar untergehen lassen. Jedes Land, jede/r EntscheidungsträgerIn ist dafür völlig verantwortlich. Wenn gesagt wird, dass sich etwa Österreich 40% CO2-Reduktionen bis 2020 nicht leisten kann, dann heißt das einfach nichts anderes – und darüber kann es keine Diskussion mehr geben – als dass man wissentlich und aktiv diese Länder zerstört und die betroffenen Menschen töten oder zu Flüchtlingen machen will.

Praktisch schaut das z.B. so aus, dass der kleine Karibikstaat Antigua vorschlägt, im Rahmen der Verhandlungen zu „shared vision“ (hier geht es um die Festlegung einer gemeinsamen Grundlage für die Verhandlungen) „das Recht zu Überleben“ zu einer Grundlage zu machen. Das wurde sofort von einigen reichen Ländern in Klammern gesetzt – das heißt beeinsprucht! - und zur Disposition gestellt. Das „Recht zu Überleben“ steht in Kopenhagen zur Disposition und ist alles andere als eine gemeinsame Grundlage für die Verhandlungen. Das ist unglaublich ungustiös. Aber damit hat man sich von Seiten der Veranstalter anscheinend schon abgefunden. In der Haupthalle der Konferenz gibt es eine riesengroße Weltkugel. Auf der ist alles Land in schwarz und alles Wasser in weiß gezeichnet. Dort, wo sich die pazifischen Inselstaaten (noch) befinden ist alles weiß – ein diplomatischer Affront, der aber das bislang ehrlichste Statement von Seiten der reichen Länder in Richtung der untergehenden Inseln darstellt.

Bernhard Obermayr