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Eine Woche lang war ich mit Greenpeace AktivistInnen in Österreich unterwegs, wo wir mit der lebensgroßen Filmeisbärin „Paula“ auf den Schutz der Arktis aufmerksam gemacht haben. Ihnen gilt mein großer Respekt und Dank für ihren unermüdlichen Einsatz. Sie sammelten Tag um Tag Petitionsunterschriften für ein Schutzgebiet rund um den Nordpol, informierten und diskutierten mit Passantinnen und Passanten über unsere Kampagne, stellten sich für Fotos zur Verfügung oder schlüpften bei über 35 Grad in das noch viel heißere Eisbärenkostüm. All das, um möglichst viele Menschen für den Schutz eines der letzten unberührten Regionen der Welt zu gewinnen.

 

Dass die Arktis bedroht ist, sollte kein Geheimnis mehr sein, wie man auch aus der medialen Berichterstattung ablesen kann. Der Klimawandel lässt den Nordpol rapide abschmelzen. Laut dem jährlich erscheinenden Klimabericht der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung etwa, hat die Arktis im Jahr 2012 die kleinste Eisfläche seit Beginn der Satellitenbeobachtung der Region vor 34 Jahren erreicht. Die Zukunft eines der letzten intakten Ökosysteme – der Heimat von Mensch, Tier und Natur – liegt auf dünnem Eis. Was wiederum Ölkonzerne auf den Plan bringt. Ein eisfreier Nordpol bedeutet für sie freie Bahn zum Fördern der letzten Ölreserven – fossile Energien, die den Klimawandel weiter antreiben. Ein Teufelskreis in der nördlichsten Region der Erde.

Doch zurück nach Österreich, auf den Salzburger Residenzplatz: Am Donnerstag bringt uns ein Passant einen Zeitungsausschnitt vorbei. Forscher haben einen toten Eisbären auf Spitzbergen gefunden. Es ist vor allem das Foto dazu, was uns allen die Sprache verschlägt: Verkümmert liegt das Tier am Boden. Das Fell, als ob es zu groß wäre. Sein Blick traurig. Und wir wissen alle: Dieser Eisbär ist und wird kein Einzelfall bleiben. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Tier verhungert ist. Eisbären ernähren sich hauptsächlich von Robben und jagen auf Packeis am erfolgreichsten. Ein Jagdrevier jedoch, das in den letzten 30 Jahren um drei Viertel geschrumpft ist.

Es bietet sich ein groteskes Bild: Kinder, die unsere Filmeisbärin „Paula“ umarmen auf der einen und ein echter, ausgezehrter toter Eisbär auf der anderen Seite. Und es wird einmal mehr bewusst: Unsere Aktionen zum Schutz der Arktis sind nicht auf Bedrohungsszenarien aufgebaut, es passiert schon. Und Gazprom, Shell und Co. machen sich bereits auf den Weg durch das schmelzende Eis, um in der Arktis unter riskantesten Bedingungen nach Öl zu bohren. Ein Ölunfall wäre eine zusätzliche Katastrophe, die nicht nur einem Eisbären, sondern dem Großteil eines ganzen Ökosystems das Leben kosten würde.

Keine erstrebenswerte Zukunft. Aber es ist noch nicht zu spät. Wir können mitbestimmen und dazu beitragen, dass die Heimat der Eisbären nicht zerstört wird. Und deshalb dürfen wir die Arktis nicht jetzt schon totschweigen und dabei zusehen, wie sie uns unter unseren Händen davon schmilzt. Es zählt jede einzelne Stimme, jede einzelne Unterschrift, jede Tat und jedes Wort für unseren gemeinsamen Nordpol. Was die AktivistInnen und mich während unserer Reise durch Österreich weiter angetrieben hat? Der Gedanke, dass wir gemeinsam etwas ausrichten können. Über 3,5 Millionen Menschen weltweit teilen diesen Gedanken. Lassen wir die Bewegung zum Schutz der Arktis weiter wachsen – lasst uns gemeinsam a(r)ktiv werden: www.schuetztdiearktis.at