Mit zweien meiner Kollegen von unserem Büro möchte ich nun nur bedingt tauschen. Sie verbringen ihren Urlaub in der weiten Greenpeacewelt in Russland. So als ob sie es gerochen hätten, spüren sie selbst in den Ferien die Umweltkatastrophen auf und sind vor Ort mit dabei, wo die Umwelt um Hilfe schreit. Der russische Wald brennt. Das veränderte Forstgesetz von 2007, wo 70 000 russische Waldarbeiter entlassen wurden, trägt Früchte. Zu wenige Arbeiter um gegen die vielen Feuer anzukämpfen. Der beißende Rauch schlägt sich auf die Lunge und tut beim Atmen weh, kostet Menschenleben und riesige Flächen von Nadelwälder.

Meine Kollegen Jurrien und Jasmin werden mit unseren russischen Greenpeacefreunden wohl nicht gemütlich urlauben können. Anderseits wäre jetzt die Zeit nahezu ideal Moskau zu besuchen – so wenig Verkehr gabs schon lange nicht, schreiben sie. Wenn man Temperaturen um die 40 Grad gern hat. "Moskau im Smog auf You Tube"

Das russische Greenpeacebüro ist im Dauereinsatz und erlangt neues Ansehen bei seiner Bevölkerung. Greenpeace Russland gibt die aktuellsten Informationen über das Ausmaß der Brände und Satellitenbilder zu den genauen Lokalitäten weiter. Diese greifen internationale  Medien und die russische Bevölkerung dankbar auf, denn die russische Medienwelt ist eine Katastrophe. Diese sprechen nach wie vor davon, dass alles „unter Kontrolle sei“, wogegen bereits in 20 Bezirken der Ausnahmezustand ausgerufen wurde.
Unsere Greenpeacekollegen Igor und Ilona und weitere Greenpeace-Aktivisten sind an vorderster Stelle beim Löschen der Brände dabei. Denn längst können nicht alle Brandherde von Feuerwehr und Waldarbeitern gelöscht werden.

Radioaktive Gebiete von Feuer angegriffen

Jurrien & Jasmin erzählen betroffen, dass das Feuer auch vor radioaktiv-versuchten Gebieten nicht Halt macht – das Gebiet rund um Tschernobyl etwa ist davon betroffen. Unsere russischen Greenpeace-Freunde haben deshalb eine Informationskarte mit den radioaktiven Gebieten erstellt – während die Politiker die Situation verharmlosen. Erst später gibt der russische Energieminister zähneknirschend zu, dass die Feuer möglicherweise radioaktiven Smog freilassen könnten. Fast schon ironisch klingt es, wenn Russland gerade einmal 56 Millionen Euro für die Löscharbeiten für 2010 zur Verfügung stellen kann, wenn ein 10-faches davon nötig wäre. „Das heißt also, dass 300 000 Hektar radioaktiver Wald unter der Kontrolle von 14 Waldarbeitern steht“, teilt uns Jurrien, der immer einen Vergleich parat hat, seinen Umkehrschluss mit.

Klimawandel ist Motor der Katastrophe

Klimaschutz war für die Russische Regierung bis dato nur ein mühsamer Klotz am Bein, der wirtschaftliches Wachsen verhindere. Mit der größten Hitzewelle, die das Land nun heimsucht, kann der Klimawandel aber nur schlecht verleugnet werden. Jurrien & Jasmin werden hoffentlich gut wieder zurückkehren und sich in Russland an ägyptische Temperaturen gewöhnt haben. Und Igor & Ilona von Greenpeace werden weiter Feuer löschen und Druck auf die russische Regierung ausüben.