Weltweit hat Greenpeace gegen die Aussaat von Gen-Mais in Mexiko protestiert. Wir waren in Wien vor der Botschaft des Landes und übergaben einen Brief an den mexikanischen Botschafter. Darin fordern wir ihn dazu auf, sich beim Präsidenten seines Landes dafür einzusetzen, dass es nicht zur Gen-Mais-Aussaat kommt. Ein Erbe der Menschheit und die Zukunft der Kulturpflanze Mais stehen aktuell auf dem Spiel.

Nicht nur in Österreich hat der Anbau von Mais für den Einsatz in Biogas-Anlagen immer mehr Äcker zu sprichwörtlichen “Maiswüsten” gemacht. Diese Form der Bewirtschaftung ist nicht nur ästhetisch zweifelhaft, vor allem gefährdet sie die Bodenfruchtbarkeit und Vielfalt in der Landwirtschaft. Für hausgemachte Probleme dieses Systems werden zudem immer wieder gentechnische Lösungen vorgeschlagen. Doch Mais ist in weiten Teilen der Welt mehr als Energie- und Futterpflanze in agrarindustriellen Produktionssystemen: große Teile der Weltbevölkerung sind für ihre Ernährung auf die Kultivierung von Mais dringend angewiesen. Insbesondere in Lateinamerika und Afrika ist Mais ein Grundnahrungsmittel.

Gen-Mais gefährdet genetische Vielfalt

Nun gerät die Zukunft des Mais-Anbaus in Gefahr: die Agrarriesen Monsanto, Pioneer und Dow versuchen mit aller Macht Zulassungen für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderten Maises in Mexiko zu erwirken. Was in Europa “nur” eine Bedrohung der Gentechnik freien Landwirtschaft ist, gefährdet in Mexiko ein Erbe der Menschheit. In Mexiko befindet sich das sogenannte “Diversitätszentrum” des Maises; hier wurde aus Wildformen, die in ihrem Äußeren mit der heute angebauten Kulturform nicht viel gemeinsam haben, der uns bekannte Mais.

Mexiko beherbergt damit die genetische Vielfalt einer Art, die eine entscheidende Basis für zukünftige Züchtungsarbeit darstellt. Durch den Anbau von Gen-Mais gerät diese Vielfalt in Gefahr: Monsanto und Co. wollen gleich Millionen Hektar mit ihren Pflanzen bestellen – es ist undenkbar, dass diese gentechnisch veränderten Pflanzen ihre Eigenschaften nicht verbreiten. Dies kann nicht nur durch Auskreuzen, d.h. über Befruchtung durch Pollenflug, geschehen. Während Mais-Samen in Europa aufgrund des kalten Winters nur schwer überleben, finden sie in ihrer Heimat Mexiko auch ideale Umweltbedingungen vor. Der Gen-Mais könnte sich daher verwildert in der Kulturlandschaft etablieren. Selten traf das das Risiko der “Nicht-Rückholbarkeit” besser zu als hier.

Freitag, 17. Mai 2013

© (c) Greenpeace/Georg Mayer

Doch es gibt Widerstand – und er beschränkt sich nicht auf Mexiko: nicht nur wir waren aktiv und haben in Wien vor der mexikanischen Botschaft demonstriert und dem Botschafter einen Brief übergeben. Zeitgleich fanden Brief-Übergaben in neun weiteren Ländern von China über Südafrika bis nach Israel und Italien statt – und natürlich in Mexiko selbst. Unsere Botschaft wird also gleich mehrfach beim mexikanischen Präsidenten eintreffen – hoffentlich ebenso wie die unterschriebene Online-Petition, die weiterhin unterzeichnet werden kann und unbedingt sollte.