© Greenpeace / Lu Guang

Wie würden Sie sich fühlen, wenn ich Ihnen erzähle, dass eine Gruppe von Wissenschaftlern in die Vereinigten Staaten gereist ist und 24 Kindern zwischen sechs und acht Jahren ein potentiell gefährliches Produkt vorgesetzt hat, bevor es an Tieren getestet wurde?

Was, wenn ich Ihnen sage, dass die staatliche Behörde klare und deutliche Richtlinien gegen genau dieses Experiment gesetzt hat und es trotzdem durchgeführt wurde?

Sie wären ziemlich empört, oder?

Nun, wir denken, dass genau das gerade passiert. ABER auf chinesischem Boden und mit chinesischen Kindern (und ich hoffe, Sie sind weiterhin empört).

The American Journal of Clinical Nutrition hat eine vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA) unterstützte Studie veröffentlicht, bei der gentechnisch veränderter (GV) Reis (Golden Rice) an 24 Burschen und Mädchen aus der chinesischen Provinz Hunan getestet wurde. Die Kinder sind zwischen sechs und acht Jahre alt.

Wir hörten 2008 zum ersten Mal davon und haben sofort das chinesische Landwirtschaftsministerium darüber informiert. Damals hat uns das Ministerium versichert, dass kein "Golden Rice" importiert und das Experiment gestoppt wurde – was offenbar doch nicht der Fall ist.

Mit der Gesundheit dieser 24 Kinder zu spielen, ist in diesem Fall nicht der einzige Hohn. In einem größeren Zusammenhang sieht man auch wieviel Zeit, Energie und Talent verschwendet wird. Ein weiteres gravierendes Beispiel dafür, wie sich Großkonzerne in eine der weltweit wichtigsten Angelegenheiten einmischen: Unsere Nahrungsmittelversorgung.

Die Studie möchte diesen genetisch veränderten Reis als Lösung des bei unterernährten Kindern auftretenden Vitamin-A-Mangels darstellen. Fakt ist, wir brauchen diese "Wunderwaffe" nicht, weil (1) haben wir eine Lösung – die Armut überwinden und eine abwechslungsreichere Ernährung erreichen; und (2) wie so viele andere "Wunderwaffen" auch diese mehr Schaden anrichtet als Lösungen schaffen wird.

Hier zählt unser Lebensmittel- und Landwirtschaftsteam ein paar Nachteile dieses sogenannten "Zauberreis" auf:

  • Bei der Förderung von GV-Reis wird eine sehr einseitige Ernährung unterstützt, anstatt Zugang zu vitaminreichen Pflanzen zu schaffen. Diese Pflanzen würden auch gegen andere Mängel, nicht nur Vitamin-A-Mangel (VAD - "vitamin A deficiancy"), helfen.
  • Wir wissen einfach nicht, ob Gentech-Saatgut, also auch GV-Reis, für Menschen und Tiere ungefährlich ist. Sicher ist, dass GV-Saatgut allergische Reaktionen hervorrufen kann.
  • Gentechnisch veränderte Pflanzen gehören größtenteils wenigen internationalen Konzernen. Das bedeutet, dass diese Firmen ein finanzielles Interesse daran haben uns an ihr Saatgut zu binden.

Nach 20-jähriger Entwicklung ist dieser nicht so "Golden-Rice" ein undurchsichtiges Forschungsprojekt ohne Nutzen in der Welt. Mehrere 10 Millionen Dollar wurden in ein irreführendes Produkt investiert. Das Geld hätte besser für Programme verwendet werden sollen, die tatsächliche, langfristige und bedeutende Unterschiede machen; Programme, die Nahrungsmittelergänzungen mit Anbau im eigenen Garten kombinieren, um so von Armut betroffenen Menschen eine vielseitigere Ernährung zu ermöglichen (was in Bangladesh erfolgreich war).

Der Kampf, GV-Reis aus China fernzuhalten, dauert nun schon sieben Jahre und ist eindeutig noch nicht vorbei.

Monica Tan