Es ist ein merkwürdiges Gefühl: Gerade sitzen zwei meiner Kollegen in Japan auf der Anklagebank. Junichi und Toru machen eigentlich den gleichen Job wie ich, mit dem Unterschied, dass sie dafür im schlimmsten Fall zehn Jahre ins Gefängnis müssen! Und das nur, weil sie im Mai 2008 ihren ‚Job’ ganz besonders gut gemacht haben: Sie stellten ein Paket voller Walfleisch sicher und übergaben es zusammen mit ihren Recherchen über weitläufige Korruption und Unterschlagung in der Walfangindustrie an die Tokioter Staatsanwaltschaft. Da sie damit den größten Skandal im japanischen Walfang-Programm aufdecken konnten, bekamen sie prompt die ganze Härte der Behörden zu spüren: einen Monat U-Haft und eine Anklage wegen Diebstahl und Hausfriedensbruch. Heute, nach langen 19 Monaten unter strengen Kautionsauflagen, wurde das Verfahren in der Hafenstadt Aomori im Norden Japans nun endlich eröffnet.

Auch wenn der Fall von Junichi und Toru vor allem in Japan Schlagzeilen produziert hat, auch im Rest der Welt hat er Wellen geschlagen. Inzwischen stellte sogar der Menschrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHCR) fest, dass Junichi und Toru beim Sicherstellen der Kiste Walfleisch im öffentlichen Interesse gehandelt haben und dass im darauffolgenden Strafverfahren die Menschrechte der Greenpeace-Aktivisten gleich mehrfach verletzt wurden. Es ist das erste Mal in der japanischen Rechtsgeschichte, dass der UNHCR solche Vorwürfe gegen Japan ausspricht. Auch wenn uns das hier in Österreich kaum bewusst ist - das macht den Fall von Junichi und Toru wirklich historisch.

Was aber Junichi und Toru ganz besonders berührt, ist die sehr persönliche Unterstützung vieler Menschen weltweit:  Ein gemeinsamer Brief von Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu, Wiliam Shatner alias Captain Kirk, der Heavy-Metal-Band Scorpions, Bryan Adams und "Wolfsmensch“ Benicio Del Toro, eine Viertelmillion Online-Aktivisten überall auf der Welt, der Protest von Greenpeace-Mitarbeitern in den USA, auf den Philippinen, in Indonesien, Spanien, Ungarn, Frankreich, Russland, Neuseeland, Finnland, Rumänien, Niederlande, Israel, Thailand, Argentinien, Schweiz, Schweden, Deutschland und Belgien, aber auch der kleine aber wirksame Protest von Ilse, Sophie, Jutta, Bernd, Tom, Ramon und Mila vor der japanischen Botschaft am letzten Freitag in Wien – alle sind bereits für Junichi und Toru eingetreten und fordern ein gerechtes Verfahren für die beiden Walschützer.

Und genau deshalb bleibt auch ein wenig ein erhebendes Gefühl: Weil wir alle - jede/r auf seine/ihre Weise, überall auf der Welt und doch miteinander - für Junichi und Toru eintreten können! Und ich weiß auch, warum Junichi und Toru gerade ihre ganze Zukunft aufs Spiel setzen: Weil sie damit den japanischen Walfang ein für alle Mal beenden wollen. Denn es ist der Walfang, der auf die Anklagebank gehört - mit Hilfe von Junichis und Torus Recherchen.

Wie viele Menschen braucht es um die Welt zu verändern? Dich.

Bitte unterstütze Junichi und Toru! Hier - Danke.

Antje Helms, Meereskampaignerin